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Zusammenfassung

Autor MAS
 - 11.10.2019 08:22
Na ja, Holger, "keine Frau" stimmt sicher nicht und dass ein freier Mann alles kann,  auch nicht, außer Percy Stuart:
https://www.youtube.com/watch?v=3NNJXFIC4r8
https://www.youtube.com/watch?v=ESi599X2JhU ;)

LG, Micha
Autor Holger Haehle
 - 11.10.2019 07:32
Richtig Micha,

ich würde es sogar noch etwas deutlicher formulieren. In einer zunehmend partnerschaftlichen Welt sind die alten Statussymbole, die einen Mann ausmachen nicht mehr zeigemäß.  Sie sind reaktionär. Keine Frau steht darauf.

Spätestens, wenn ein Mann das Herz einer Frau gewinnen will, sollte er das berücksichtigen. Merken die Männer denn gar nicht, wie sie sich einschränken mit ihrer Statusorientierung? Das macht unfrei.

Männer macht euch locker. Dann habt ihr mehr vom Leben. Es gibt nichts was ein freier Mann nicht kann.
Testet eure Freiheit! Tragt Rock!
Autor MAS
 - 10.10.2019 19:16
Ganz gut zusammengefasst, lieber Holger! :)

Ich möchte noch hinzufügen:
- um die eigenen Hemmungen, die die Hochschätzung eines kponventionell männlichen Status und die Geringerschätzung des weiblichen Status  mit sich bringen, zu überwinden, soll man dem weiblichen Stauts einen gleichhohen Rang zuordnen, zuerst rational, aber dann auch emotional; der männliche Status muss deshalb nicht geringer werden, sondern aus beiden wird ein gemeinsamer menschlicher Status
- die Gefühle der Angst, vor und von anderen Männern lächerlich gemacht zu werden, soll einem Gefühl des Stolzes weichen, eine unsinnige Engführung überwunden zu haben
- bei mir wirkt das jedenfalls sehr gut

LG, Micha
Autor Holger Haehle
 - 10.10.2019 17:08
Toller Schlussakkord Micha,
dem kann ich fast nichts mehr zufügen.

Fassen wir mal zusammen:
-  Nicht wenige Männer sind lieber arbeitslos, statt sich umzuschulen, wenn der neue Job als weibliche Domäne gilt.
-  Sie befürchten einen Statusverlust (They dont want to lose their eggs).
-  In anderen Genderstudien wurde das gleiche Motiv bei Männern ausgemacht, die den Männerrock ablehnten.
-  Das Statusbewusstsein ist ein strukturelles Erbe aus patriarchalisch hegemonialen Zeiten sagt die Sozialpsychologie.
-  Da fällt mir ein, das mein Vater in den 60er Jahren ein Problem damit hatte, dass meine Mutter einen Führerschein machte.  
-  Tatsächlich durfte sie auch weiterhin lange Zeit nur auf dem Beifahrersitz mitfahren in "seinem" Auto, wenn man seine Kumpels besuchte.
-  Nach meinen Untersuchungen sind Frauen gegenüber dem Männerrock deutlich aufgeschlossener als Männer.
-  Potenziellen, heterosexuellen Männerrockträgern empfehle ich deswegen mehr auf die Reaktionen anderer Frauen zu achten.  
Autor MAS
 - 10.10.2019 12:38
Aber sicher doch, lieber Holger, beides muss kultiviert werden.

Im Buddhismus heißt es: Weisheit ohne Mitgefühl ist kaltherzig, Mitgefühl ohne Weisheit ist blind.

LG, Michael
Autor Holger Haehle
 - 10.10.2019 11:04
Naja Micha,

vieleicht brauchen wir mehr Interaktion von beidem. Ich fände es nicht schlecht, wenn die Menschen mehr nachdenken würden, um ihre Gefühle kritisch zu begleiten. Die eigentlich evolutionäre Sensation ist, dass der Mensch komplex fühlen und denken kann, das aber nur schlecht zusammenbringt.

Ich vergleiche gerne den Urvogel Archaeopteryx mit uns Menschen. Archeopterix war zwar ein Vogel, aber auch ein schlechter Flieger. Es brauchte Millionen Jahre die modernen Vögel zu entwickeln, die heute vom Spatz bis zum Falken perfekte Flieger sind. Fehlen dem Menschen die Millonen Jahre, die die Vögel hatten, um sich zu perfektionieren? Wenn wir im übertragenen Sinne ein menschlicher Archaeopteryx sind, dürfen wir dann in ein paar Millionen Jahre darauf hoffen, das ein Mensch kommt, der nicht unsere "Kinderkrankheiten" hat?
Autor MAS
 - 10.10.2019 10:41
Vollkommen d'Accord, lieber Holger!

Deswegen meine ich auch, wir dürfen nicht auf die Vernunft alleine setzen, sondern die Kultivierung anderer Gefühle fördern:
Liebe statt Hass
Zufriedenheit statt Gier
usw.

Das zu erreichen gibt es Methoden, vor allem im Buddhismus.

Problem: Das kann man nicht erzwingen, sondern kann nur freiwillig erfolgen.

LG, Micha
Autor Holger Haehle
 - 10.10.2019 10:34
Ach Micha,

so weit sind wir vom Sexismus in den USA gar nicht abgeschweift. Vielleicht haben wir jetzt mit etwas mehr Hintergrund einen besseren Einblick in das Problem. Denn Sexismus, sowie Gier und Hass haben eine lange Historie. Deshalb sind sie unserem limbischen System so tief eingebrannt. Im PET kann man sie sogar sichtbar machen. Da hat die Vernunft so ihre Probleme sich durchzusetzen, zumal die Ratio dem Gefühlssystem nachgeschaltet ist. Das letzte Wort hat im Hirn nie die Vernunft. Triebe können wie eine Sucht sein. Von der können wir auch nur schwer die Finger lassen, egal wie sehr der Verstand mahnt.

Helfen bessere Techniken die Welt zu retten? Ich befürchte nicht wirklich. Menschen handeln meist reaktiv. Deswegen kommt die Einsicht oft erst, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist. Klimaveränderungen haben einen Vorlauf. Das heißt, das wenn z.B. der Meeresspiegel zu steigen beginnt (und das tut er in Millimeterschritten bereits) diese Dynamik nur langfristig mit massiven Maßnahmen gestoppt werden kann. Wahrscheinlich müssen in den nächsten hundert Jahren erstmal ein paar Küsten im Meer versinken, bevor die Welt sich politisch einigt und mit der gebotenen Entschlossenheit handelt.
Autor MAS
 - 10.10.2019 07:42
Lieber Holger,

die Autoindustrie muss sich nicht nur wegen der Wettbewerbsfähigkeit umstellen, also nicht nur wegen des Wettbewerbs zwischen den Autofirmen, sondern weil sie sonst die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen auf diesem Planeten beschleunigt. Es ist ein Wettbewerb mit eben dieser Zerstörung, den wir verlieren, wenn wir so weiter machen wie bisher.

Momentan sieht es so aus, dass keine der zur Verfügung stehenden Techniken auf Dauer hilft. Verbrennungsmotoren, Lithiumbatterien, erdölbasierte Gummireifen sind allessamt schädlich. Von denen müssen wir wegkommen. Wir müssten eigentlich auf Autos verzichten, bis das Problem gelöst ist.

Jetzt sind wir vom Sexismus in den USA aber abgeschweift. Aber beides, Sexismus und Mitweltzerstörung hat ja eine gemeinsam Ursache: Gier und Hass, Habenwollen und Nichthabenwollen, und die Unkenntnis und das Nichtwahrhabenwollen der Zusammenhänge.

LG, Micha
Autor Holger Haehle
 - 10.10.2019 06:54
Lieber Loki,

danke für den Diskurs. Vorweg, ich beziehe mich bei meinen Aussagen, auf das, was die Professoren damals so in den Symposien an der Uni erzählt haben und ich in Büchern wie ,,Molecular Neurobiology" gelesen habe.
Aktuelles zu PET's findest du u.a. im ,,Journal of Neuroscience".

https://www.jneurosci.org/

Aber auch in Science, Geo und der National Geographic gibt es immer wieder gute Artikel zu ähnlichen Themen.

Systematisches Erkennen bedeutet bei der Krähe, dass sie probiert bis sie eine Lösung findet. Irgendwann wird sie auch merken, dass die leichteren Styroporblöckchen für ihre Zwecke ungeeignet sind und sie nicht mehr benutzen. Aber auch dann weiß sie eben nicht, warum leichte Körper den Wasserpegel nicht zum Steigen bringen.

Das erst wäre eine kognitive Leistung. Ohne Probieren kann die Krähe nicht darauf schließen, dass die Syroporblöckchen ungeeignet sind. Und ohne ein Hirnareal, das logische Verknüpfungen in Echtzeit leistet, wird ihr das auch nie gelingen. Eine Krähe kann nicht mit ausschließlichem Denken (ohne Probieren) die Lösung ihres Problems finden. Menschen können beides, probieren und studieren.

Das ist doch einer der Gründe, warum wir keine gemeinsame Gattung mit ,,Urmenschen" wie Lucy (Australophithekus afarensis) bilden. Lucy ist unsere prähistorische Urmutter, aber sie ist kein Mensch wie Homo habilis oder Homo sapiens, eben wegen der unzureichenden kognitiven Leistungen. Aber sie bleibt unser ,,Urahn" mit dem wir zoologisch eine Unterfamilie teilen.

Lucy kannte keine Werkzeuge und sie konnte kein Feuer machen. Sie konnte nur das machen, was auch die Krähe kann.
Autor Holger Haehle
 - 10.10.2019 05:46
Lieber Micha,

du schreibst: ,,Jahrunderttausende lang hat ein Leben lang gereicht, was man in der Jugend gelernt hat, denn es kamen wenige Veränderungen hinzu. Heute dagegen verändert sich vieles so schnell, dass viele Menschen nicht mehr nachkommen. Wir müssen ein Leben lang ständig Neues lernen."

Hier sprichst du ein zentrales Problem an. Ich denke viele Zukunftsängste haben ihre Ursache darin, dass die allgemeine gesellschaftliche und technische Entwicklung sich zusehens beschleunigen und man Angst bekommt auf der Strecke zu bleiben und den Anschluss zu verpassen.
Das einmal Erlernte reicht nicht mehr für ein ganzes Leben. Wir müssen uns immer mehr weiterbilden, umschulen usw.. Der Wandel wird zum Standard. Und der ist lebenswichtig.

So wird sich z.B. die Autoindustrie umstellen müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Neue Antriebstechniken müssen entwickelt werden. Die Brennstoffzelle muss kommen, wenn der deutsche Autobau auch in Zukunft die Nase vorn haben will. Umstrukturierung kostet Geld und Energie. Das mag man nicht, wenn man mit dem Bewährten (Diesel) so lange so gut gefahren ist. Aber gibt es eine Alternative?

Schulen reagieren bereits auf diese Herausforderungen. An unserem College ist die Kompetenzorientierung in jedem Curriculum drin. Es wird nicht nur Wissen gelehrt, denn das hat eine immer kürzere Halbwertszeit. Wichtiger ist die Vermittlung von Techniken der Wissensgenerierung. Die Schüler sollen zu Selbstlernern werden. Sie sollen nicht den Lehrer fragen, wie etwas geht, sondern vom Lehrer befähigt werden, selbst einen Weg zu entwickeln die Lösung zu finden. Die pädagogische Grundlage ist dabei u.a. das Mindsetprinzip, das man aus der Neurobiologie bzw. kognitiven Psychologie übernommen hat.

Im ZDF gibt es aktuell einen Beitrag zur modernen Schule mit flexiblen Lehrplänen, Digitalisierung und Inklusion.
https://www.zdf.de/nachrichten/heute/internationaler-tag-des-lehrers-multitalente-im-klassenraum-100.html
Autor Loki
 - 10.10.2019 05:46
Zitat von: Holger Haehle am 10.10.2019 04:46
die Krähe handelt aus Erfahrung, die sie durch Probieren gewonnen hat. Sie handelt nicht kognitiv. Sie weiß nicht, dass Körper mit einem höheren spezifischen Gewicht als Wasser, dieses komplett verdrängen. Das wird in anderen Versuchen deutlich, wo man der Krähe Styroporblöckchen anbietet. Die schmeißt sie auch ins Wasser. Jetzt erfüllt sich ihre Hoffnung auf einen steigenden Pegel aber nicht mehr. Und statt darüber zu sinnieren geht sie einfach ihres Weges.

Kann ich so ehrlich gesagt nicht daraus erkennen. Sie erkennt systematisch, dass die Styroporblöckchen für den Zweck sinnlos sind.
Hier noch ein kurzes Video mit etwas Kognition die durch try-and-error noch weniger erklärbar ist:
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/3/31/Bajan-Birds-Pull-Strings-Two-Wild-Antillean-Species-Enter-the-Select-Club-of-String-Pullers-pone.0156112.s005.ogv

Zitat von: Holger Haehle am 10.10.2019 04:46
Den letzten Beweis liefert dann die PET-Tomografie, die heute in der Verhaltensbiologie ein etablierter Standard ist. Gerade das Vogelhirn besitzt nur einen Hirnstamm plus limbischem System. Rationale Hirnelemente fehlen vollständig.

Hast du da einen Link mit mehr Infos zu?
Autor Holger Haehle
 - 10.10.2019 05:06
Genau Micha,

lernen kostet Energie. Nicht nur die Internetserver verbrauchen enorm viel Energie, auch der Neocortex muss mit ATP (Adenosintriphosphat) angeworfen werden um denken zu können. Das erleben wir ganz praktisch, wenn unsere Konzentration bei einem Fachkongress nachlässt. Essen wir dann was Süßes kommt die Konzentration wieder etwas zurück, denn Zucker (Glukose) ist die Energiequelle für ATP. Das limbische System hingegen ist vollautomatisiert. Es holt sich seinen Zucker selbstständig. Die Ratio muss erst Zuckerrationen anfordern. Dazu muss ich erstmal die Entscheidung treffen denken zu wollen. Das macht emotionale Entscheidungen so viel bequemer und naheliegender.
Autor Holger Haehle
 - 10.10.2019 04:46
Loki,
das ist ein schönes Krähenvideo. Aber die Krähe handelt aus Erfahrung, die sie durch Probieren gewonnen hat. Sie handelt nicht kognitiv. Sie weiß nicht, dass Körper mit einem höheren spezifischen Gewicht als Wasser, dieses komplett verdrängen. Das wird in anderen Versuchen deutlich, wo man der Krähe Styroporblöckchen anbietet. Die schmeißt sie auch ins Wasser. Jetzt erfüllt sich ihre Hoffnung auf einen steigenden Pegel aber nicht mehr. Und statt darüber zu sinnieren geht sie einfach ihres Weges.

Den letzten Beweis liefert dann die PET-Tomografie, die heute in der Verhaltensbiologie ein etablierter Standard ist. Gerade das Vogelhirn besitzt nur einen Hirnstamm plus limbischem System. Rationale Hirnelemente fehlen vollständig.

Trotzdem finde ich die Krähe beeindruckend. Dumm ist das limbische System nicht, aber es braucht für seine Leistung Erfahrungs-Input durch Try and Error, den sie dann quasi ,,statistisch" auswertet, in dem die Intensität der Erfahrung in mehr oder weniger starke neuronale Verknüpfung übersetzt wird. 
Autor MAS
 - 10.10.2019 00:43
Oder kurz gesagt, lieber Holger: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr!

Eine mir plausibel erscheinende Theorie besagt auch: Neues Lernen kostet Energie. Routinen fahren, spart Energie.
Jahrunderttausende lang hat ein Leben lang gereicht, was man in der Jugend gelernt hat, denn es kamen wenige Veränderungen hinzu.
Heute dagegen verändert sich vieles so schnell, dass viele Menschen nicht mehr nachkommen. Wir müssen ein Leben lang ständig Neues lernen.

Jedefalls erklärt diese Theorie sehr schön, warum junge Menschen schneller und mehr lernen als alte. Das haben wir uns im Laufe der Evolution angewöhnt, und zwar genetisch.

Ausnahmen bestätigen die Regel.

LG, Micha