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Zusammenfassung

Autor doppelrock
 - 22.10.2023 06:38
Danke, Yoshi,
du bringst es auf den Punkt.
Es braucht nicht für jede Tätigkeit und jede Beobachtung ein Schlagwort oder eine Schublade.

Wir sind ganz einfach Männer, die Kleidung tragen, die ihnen gefällt.

Für mich ist damit alles gesagt.
Autor Yoshi
 - 18.09.2023 21:22
Zitat von: Skirtedman am 18.09.2023 13:30
Und da hast Du, Yoshi, vollkommen Recht, dass eigentlich beiderlei Verhalten abweichend und theoretisch "queer" ist.

Und eigentlich müssten wir uns doch alle bereits mit dem Q der LGBTQetc-Szene identifizieren können. Eigentlich sind wir doch Teil dieser Szene. Und doch wollen die meisten das aber eben nicht sein.

Da spielt eben auch diese nachhaltige Angst mit hinein, in eine falsche Schublade gesteckt zu werden.

Ich finde es tatsächlich auch gar nicht schlimm, wenn mich jemand als "schwul" ansieht. Dann denk ich mir: "Interessant. Nur weil ich einen Rock trage? Dich kann man ja leicht bei der Nase herumführen." Vielleicht habe ich bei manchen Leuten sogar unbewusst Vorurteile gegen Homosexuelle abbauen können, weil sie mich dafür hielten.
Ich kann es aber auch nachvollziehen, wenn man sich davon abgrenzen will und das ist ja auch jedem sein gutes Recht. Nichtsdestotrotz muss man LGBTQ auch nicht direkt zum "Feindbild" erklären.
Wenn es mehr (heterosexuelle) Rock tragende Männer gäbe, dann würde sich dieses Vorurteil irgendwann in Luft auflösen. Heutzutage schließt auch niemand bei Hosen tragenden Frauen auf ihre Sexualität oder Geschlechtsidentität. Früher war das auch ganz anders und sie wurden als "Lesben", "Emanzen" oder "Mannsweiber" beschimpft.

Zitat von: Skirtedman am 18.09.2023 13:30
Und sei er ein Scheinanglizismus. Handlich, einprägsam muss er sein. Und wenn er in seiner Struktur Analogien aufgreift zu anderen üblichen Worten "in unserer Gemeinde", dann hat er klarere Umrisse, auch wenn diese Umrisse nicht auf jeden von uns zutreffen. - Aber eventuell ist man dann eben nicht selber ein "Freedresser", sondern man findet dann andere Beschreibungen zutreffender - "queer" zum Beispiel.

Jetzt mal ganz ketzerisch gefragt: Braucht es dafür eigentlich einen Begriff? Wie nennt man eine Hose tragende Frau? Ich glaube, dafür gab es in den ganzen Frauenbewegung keinen Begriff. Falls jemand Näheres weiß, ich lasse mich gerne aufklären. Frauen nannten sich damals einfach "emanzipiert". Ein Wort, dass mir als Eigenbezeichnung auch ganz gut gefällt.
Autor Skirtedman
 - 18.09.2023 14:18
Wie gesagt, wichtig ist, dass wir unter uns erst einmal was damit anfangen können.
Wir unterhalten uns hier miteinander darüber wohl oft mehr als mit Fremden.
Autor Timper
 - 18.09.2023 14:12
Ich habe ja nichts gegen den Begriff. Ich finde eben nur das Fremde außerhalb damit kaum was anfangen können. Da geht das erklären dann wieder los.
Wird wohl immer so sein...
Autor Skirtedman
 - 18.09.2023 13:45
Nee, das ist ja der Punkt.

Draussen taugt der Begriff nur dann was, wenn wir uns solidarisieren und Szenen-"Arbeit" leisten, oder wenn übermorgen unsereins als Massenphänomen auftritt. Nungut, aber versuchen, den Begriff unters Volk zu bringen, kann man ja trotzdem.

Sehr viel wichtiger ist der Begriff hier drinnen. Sich als "divers" fühlende Menschen benutzen ja auch den Begriff "divers", um sich hier unter uns auszutauschen. Warum sollten Freedresser im Sinne dieses Threads nicht auch einen Begriff haben?
Autor Timper
 - 18.09.2023 13:38
Dann musst du den Begriff aber noch unters Volk auf die Straße bringen. Und da muss dann wieder erklärt werden. Hier intern reicht das nicht.
Autor Skirtedman
 - 18.09.2023 13:30
Zitat von: Yoshi am 16.09.2023 15:26
Ich finde Freedresser klingt so künstlich und zwanghaft gebildet. Zudem bin ich eh nicht so der Fan von Scheinanglizismen.

Ob Scheinanglizismus hin oder her. Mit" Handy" hat man sich ja auch gut arrangiert. Nebenbei hätte "Freedresser" auch das Zeug, grenzenübergreifend über die deutsche Sprachgrenze hinweg zu funktionieren.

"Freedresser" ist ja ohnehin nur ein analog gebildetes Wort zu dem bereits existierenden "Crossdresser", welches oft für Verwirrung geeignet ist, aber schon lange von einer Crossdresser-Community verwendet wird.

Und zwischen "Crossdressern" im Sinne der Crossdresser-Community und "Freedressern" im Sinne dieses Threads bestehen eben in vielerlei Hinsicht deutliche Unterschiede. Einer dieser Unterschiede kann man so charakterisieren:
Die "Crossdresser" versuchen, ihr öffentlich gelebtes abweichendes Verhalten möglichst gut zu verstecken.
Die "Freedresser" versuchen, ihr öffentlich gelebtes abweichendes Verhalten eben nicht zu verstecken, sondern klar erkennbar zu leben und zu diesem abweichenden Verhalten zu stehen.

Fest aber steht, und das verbindet die Crossdresser mit den Freedressern, dass beide abweichendes Verhalten praktizieren.

Und da hast Du, Yoshi, vollkommen Recht, dass eigentlich beiderlei Verhalten abweichend und theoretisch "queer" ist.

Und eigentlich müssten wir uns doch alle bereits mit dem Q der LGBTQetc-Szene identifizieren können. Eigentlich sind wir doch Teil dieser Szene. Und doch wollen die meisten das aber eben nicht sein.

Da spielt eben auch diese nachhaltige Angst mit hinein, in eine falsche Schublade gesteckt zu werden.

Die Eigenbezeichnung "Freedresser" zum Beispiel (im Sinne dieses Threads) hilft uns, in der sehr breiten, vielfältigen "Szene" abweichenden Verhaltens uns einzusortieren, ohne irgendwohin falsch "weg"-sortiert zu werden.

Und diese Eigenbezeichnung ist vor allem intern "in der Gemeinde abweichenden Verhaltens" hilfreich. Um z.B. hier, wenn wir uns miteinander austauschen, nicht immer wieder in zwei Sätzen erklären zu müssen, wie wir uns denn von anderen unterscheiden, und dann haben diese zwei erklärenden Sätze immer noch nicht alle Feinheiten beschrieben und bleiben falsch interpretierbar.

Und zwei Abschnitte später wollen wir noch einmal uns und unseres gleichen erwähnen, und dann müssen wir wieder von vorne Anfangen, die wichtigsten Feinheiten erneut in zwei Sätzen zu erklären. Da macht es ein handlicher Begriff deutlich einfacher.

Und sei er ein Scheinanglizismus. Handlich, einprägsam muss er sein. Und wenn er in seiner Struktur Analogien aufgreift zu anderen üblichen Worten "in unserer Gemeinde", dann hat er klarere Umrisse, auch wenn diese Umrisse nicht auf jeden von uns zutreffen. - Aber eventuell ist man dann eben nicht selber ein "Freedresser", sondern man findet dann andere Beschreibungen zutreffender - "queer" zum Beispiel.
Autor MAS
 - 18.09.2023 12:23
Verstehen und nachempfinden kann ich es, da ich ja auch mal diese Angst hatte und Reste davon immer wieder mal auftauchen. Ziel sollte es aber sein, sie zu überwinden statt die zu pflegen.

LG, Micha
Autor Skirtedman
 - 18.09.2023 11:16
Zitat von: MAS am 18.09.2023 09:43

Und ja, ich denke wie Du, aber manche hier haben so eine Panik davor, in die falsche Schublade gesteckt zu werden, dass es das nicht viel mit Solidarität ist. Toleranz ja, aber mehr nicht.


Naja, mit einer Spur Empathie kann man diese Panik verstehen. Die Schwiegermutter möchte halt nicht, dass ihre Tochter nicht mit einem "richtigen" Mann zusammen ist, vor allem wenn da Enkel im Spiel sind oder noch Hoffnung auf Enkel besteht.

Diese Panik, von Frau, Kindern, Schwiegereltern und den eigenen Eltern falsch einsortiert zu werden, hält viele davon ab, sich Träume zu realisieren, z.B. mal andere Kleidung als die dem bisherigen Männerbild typische zu tragen.

Das ist eben das Problem dabei. Und mit ein wenig Empathie kann man das nachvollziehen, ohne gleich an den Pranger zu stellen.
Autor high4all
 - 18.09.2023 10:43
Zitat von: Yoshi am 18.09.2023 09:20
Mir ist beim Durchforsten des Forums schon aufgefallen, dass hier leider bei einigen viele Vorurteile gegenüber Gender und Queerness herrschen und teilweise auch sehr aggressiv dagegen gewettert wird.
Nun ja, Feindbilder sollen zusammen schweißen. Funktioniert aber nur so lange sich die Feindbilder nicht ändern. Denn es besteht immer die Gefahr, dass man selbst unversehens zum Feindbild wird.

Autor MAS
 - 18.09.2023 09:43
Ah, so meinst Du das "zwanghaft gebildet". Ich hatte es anders verstanden.

Und ja, ich denke wie Du, aber manche hier haben so eine Panik davor, in die falsche Schublade gesteckt zu werden, dass es das nicht viel mit Solidarität ist. Toleranz ja, aber mehr nicht.

LG, Micha
Autor Yoshi
 - 18.09.2023 09:20
Zitat von: MAS am 17.09.2023 23:43
na ja, "genderfluid" kann ja noch mehr als "zwanghaft gebildet" wahrgenommen werden.

Ich meinte damit mehr, dass "Freedresser" im Englischen nicht existiert und für das Deutsche "zwanghaft gebildet" wurde. "Genderfluid" ist zwar auch ein Neologismus und Kofferwort, aber existiert zumindest im Englischen. Ich finde es auch okay, wenn mich jemand "Freedresser" oder "Omnivestit" nennen würde, aber würde es nie als Eigenbezeichnung nutzen. Wenn mich jemand fragt, als was ich mich identifiziere, sage ich oft einfach: "Als Mensch!" Das ist für manchen Fragenden nicht zufriedenstellend, aber es hat eine wichtige Botschaft: "Es ist egal, wer oder was ich bin. Ich bin genau wie du. Wir sind alle gleich!" Hat jemand ernsthaftes Interesse, dann gehe ich natürlich auch ausführlicher auf die Fragestellung ein.

Zitat von: MAS am 17.09.2023 23:43
"Queer" ist ein Begriff, den viele hier meiden wie der Teufel das Weihwasser.

Mir ist beim Durchforsten des Forums schon aufgefallen, dass hier leider bei einigen viele Vorurteile gegenüber Gender und Queerness herrschen und teilweise auch sehr aggressiv dagegen gewettert wird. Schade eigentlich! Ist es die Angst, dass man selber als Mann im Rock als schwul oder trans wahrgenommen werden könnte und deshalb mit so einer Vehemenz gegen die queere Szene ankämpft? Eigentlich müsste man sich doch mit der queeren Szene solidarisieren, weil man ähnliche Ziele verfolgt: Akzeptanz und Gleichberechtigung. Das ist wohl auch die Bevölkerungsgruppe, die mit uns die wenigsten Probleme hat. Ich wurde zumindest noch nie beim CSD oder im Regenbogenviertel schief angesehen.
Autor MAS
 - 17.09.2023 23:43
Lieber Yoshi,

na ja, "genderfluid" kann ja noch mehr als "zwanghaft gebildet" wahrgenommen werden.

"Queer" ist ein Begriff, den viele hier meiden wie der Teufel das Weihwasser.

"Nicht-binär" passt auch nicht denen, die sich als eindeutig männlich begreifen.

Aber Du sprichst ja für Dich. Und ich persönlich kann mit Deinen Begriffen genau so viel anfangen wie mit "Freedresser" und "Omnivestit". Die sind für micht alle okay, solange daraus keine starren Schubladen werden.

LG, Micha 
Autor Yoshi
 - 16.09.2023 15:26
Zitat von: Skirtedman am 13.09.2023 11:37
...dass die meisten von uns, die sich mit der Bezeichnung Freedresser identifizieren können, vermutlich kaum bis gar nicht zum Beispiel folgende Begriffe bemühen, um unser eigenes Tun zu erklären:

queer
genderless
genderfluid
unisex
androgyn

Seht Ihr das ähnlich?

Ich finde Freedresser klingt so künstlich und zwanghaft gebildet. Zudem bin ich eh nicht so der Fan von Scheinanglizismen. Die Idee dahinter finde ich gut und habe ihn das erste Mal bei Markus Muth gehört, der mit Omnivestit (Allesträger) auch einen zweiten Begriff für sich nutzt, aber ich würde mich selbst nicht so bezeichnen. Ebenso wenig "genderless", weil das so nach "geschlechtslos" klingt und auch nicht "unisex", denn das weckt in mir zu sehr die Assoziation mit Sexualität.
Ich würde mich als "genderfluid" bezeichnen, weil ich verschiedene Genderformen konglomeriere. Mir gefällt auch "queer", was viele Menschen mit Homosexualität und Transidentität gleichsetzen, was ja nur Teilaspekte sind. Queer ist eigentlich jeder Mensch, der von der heteronormativen Gesellschaftsform abweicht und ein "Mann im Rock", unabhängig seiner sexuellen Präferenz, ist in der westlichen Kultur auf jeden Fall nonkonform. Ich mag auch den Begriff "nicht-binär", weil ich mich nicht den Männern oder Frauen zuordnen lassen möchte, sondern mich dazwischen sehe und beide Anteile in mir trage. Meine Geschlechtsidentität (engl. gender) ist nicht-binär, queer und genderfluid und nicht zu verwechseln mit meinem biologischen Geschlecht (engl. sex), das "männlich" ist. Ich glaube der Unterschied ist vielen (vor allem den "Genderkritikern") nicht geläufig, weil die deutsche Sprache beides mit "Geschlecht" übersetzt.
Autor MAS
 - 15.09.2023 20:45
Ich habe in einem andern Thread Hirtis Respekt vor Cephalus ganz anderer Motivation als der seinen gelobt. Ja, das ist m.E. vorbildlich! Lasst uns uns gegenseitig unterstützen beim Rocktragen usw., was auch immer die Motivation sein sollte!

LG, Micha