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ZitatIn den Ferien nahmen wir die Kittel mit nach Hause, zum Waschen und Bügeln. Wenn wir sie nach den Ferien nicht parat hatten, war es im Eurythmie-Unterricht peinlich, in Straßenkleidung dazustehen. Man hätte um Ersatz bitten können, was möglich wäre, denn es gab einen großen Fundus von alten Kitteln, die für Theateraufführungen aufbewahrt wurden.die Kittel oder die Eurythmiekleider?
Zitat von: Skirtedman am 04.03.2024 15:20
Danke, Chris-s und Zwurg,
für diese Einblicke. Ich hatte schon gedacht, dass wir auch in unseren Reihen Menschen haben mit anthroposophischer Erfahrung.
Seltsamerweise hat eine Freundin, die mit den höchsten Kreisen der Waldorfschulen zusammenarbeitet, mir davon noch nie etwas erzählt. Sie weiss sehr wohl, dass ich Röcke und inzwischen Kleider trage; wir waren auch schon zusammen im Urlaub - zwar eher durch Zufall (unsere Urlaube überschnitten sich ein paar Tage), aber das im gleichen Hotel und sogar in benachbarten Zimmern, deren Zwischentür sich öffnen ließ. Sie müsste es eigentlich wissen, dass solche Informationen mich sehr interessieren; aber davon gesagt hat sie noch keinen Deut. Vielleicht, weil es von Schule zu Schule unterschiedlich intensiv gehandhabt wird. Vielleicht, weil der Einsatz der Kleider wirklich auf seltenste Gelegenheiten einschränkt ist.
Dennoch finde ich es erstaunlich, dass es in unserer linientreuen Hosenzeit solcherlei Initiativen gibt, in denen Jungs oder Männer - halt wohl leider nur in Ausnahmesituationen, aber trotzdem - nahezu feenhaft wie zarte Frauen eingekleidet werden.
Zitat von: chris-s am 01.03.2024 17:10
Also –als ehemaliger Waldorfschüler mit Eurythmie-Erfahrung will ich ein wenig zur Allgemeinbildung hier und heute beitragen:
Eurythmie ist – wie vieles in der Anthroposophie – von der Jugendbewegung und dem Jugendstil am Anfang des 20. Jhds. inspiriert. Rudolf Steiner hat dem Ganzen mit einer esoterischen Weltanschauung noch einen Rahmen gegeben.
Es gibt auch eine besondere Art zu sprechen, die sog. Sprachgestaltung, die sehr getragen und betont Texte, v.a. Gedichte intoniert. Entstanden einst im Wiener Burgtheater, aber bald wieder fallen gelassen. (Die sprechen da heute wieder ganz normal)Von Steiner, der ja Österreicher war, aufgegriffen und zu einer Kunstform entwickelt.
Eurythmie ist eine vom Tanz / Ballett inspirierte Bewegungskunst
In der Waldorfschule ist es normales Schulfach. Allerdings werden die Eurythmie-Kleider nicht während des Eurythmie-Unterrichts, sondern nur bei öffentlichen Aufführungen getragen. In jeder Waldorfschule gibt es mehrmals im Jahr sog. Monatsfeiern, bei denen von den einzelnen Klassen Themen aus dem gesamten Unterricht (u.a. Eurythmie) dargestellt werden. Von den oberen Klassen werden dann auch mal Eurythmie-Kleider getragen. In den unteren Klassen ist dies nicht üblich.
Zur Jugendbewegung am Anfang des 20. Jhds. gibt es u.a. diese Bücher:
https://www.amazon.de/gp/product/B071R9P39W/ref=kinw_myk_ro_title
https://www.amazon.de/gp/product/B0779LVHJV/ref=kinw_myk_ro_title
Zitat von: schutsch am 19.08.2024 11:29
Zur "Monatsfeier" trugen immer alle Schüler ihre Eurythmiekleider, auch dann, wenn keine Eurythmieaufführung anstand. Wir ergaben so immer ein schönes und einheitliches Bild.
Zitat von: Zwurg am 04.03.2024 21:39
Ohne Steiner verteidigen zu wollen: Man muss die Zeit beachten in der er lebte.
Er ist 1861 geboren und starb 1925.
Er hat sein Leben in Österreich und Deutschland verbracht. ...
Der Kolonialismus der europäischen Nationen, mit den damit verbundenen Vorurteilen und Meinungen war noch in vollem Gang.
Er wird sich also wahrscheinlich der vorherrschenden Ansichtsweise angeschlossen haben.