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Zusammenfassung

Autor JJSW
 - 30.03.2025 07:29
Hmm, jetzt hat sich braveskirt wieder verabschiedet.

Falls Du als Gast noch mitliest:

Hallo braveskirt
Wo immer Du jetzt bist.
Viel Glück und Erfolg auf Deinem weiterem Weg.
Autor Skirtedman
 - 16.01.2025 13:24
Nun, in Detailfragen wird es sicher noch die eine oder andere Eroberung geben in meinem Leben. Also kleidungsbezogen.
Manche meiner bisherigen Eroberungen setze ich aber eher zurückhaltend ein und bedürfen manchmal noch einer kleinen Herausforderung, der ich mich immer mal wieder erneut stellen muss. Und nicht alle Eroberungen muss ich an jedem Tag zum Einsatz bringen, es ist also gut, wenn ich sie nur behutsam und gelegentlich und mit einer gewissen grundsätzlichen Hürde verwende.

Persönliche Mitteilungen kannst Du von nun an ja jederzeit an alle hier, auch an mich, verschicken. Schön ist es natürlich auch, wenn Du möglichst alle an Deinen Erfahrungen und Gedanken teilhaben lässt.
Autor braveskirt
 - 16.01.2025 12:06
Zitat von: Skirtedman am 16.01.2025 11:45
Nun, Braveskirt, Deine eigene, innere Unsicherheit fokussiert nicht nur auf die Reaktionen der anderen,
sondern sie interagiert, verstärkt, ja provoziert die Reaktionen der anderen.
Ich will an dieser Stelle in Deinem Vorstellungsthread nun noch mal die Gelegenheit nutzen, mich kurz vorzustellen.

Lieber Wolfgang, wie schön, von deiner Entwicklung zum lesen und vor allem, dass du sie am Ende als ein "Angekommen sein" erlebst!

Ich mag dir gerne mehr auch von mir erzählen, ich würde mich geschützter fühlen, wenn ich dich direkt anschreiben dürfte.

Zu den groben, unangenehmen Stoffen von Hosen: Mir geht das zum Teil sogar mit oft relativ derber Herrenunterwäsche so. Manchmal finde ich etwas aus Viskose, das ist schon angenehmer, Kunstfaser ist am Ende meist auch keine Lösung. Für Damen ist auch hier die Auswahl größer und feiner, aber da gibt es dann doch anatomische Hindernisse...

Am Ende wünsche ich dir, dass sich vielleicht doch noch Felder für Eroberungen finden ;)
Autor Skirtedman
 - 16.01.2025 11:45
Nun, Braveskirt, Deine eigene, innere Unsicherheit fokussiert nicht nur auf die Reaktionen der anderen,
sondern sie interagiert, verstärkt, ja provoziert die Reaktionen der anderen.

Diesen Effekt haben wir hier im Forum immer mal wieder angesprochen. Aber längst nicht jedem ist dieser Effekt bewusst. Und selbst 13 Jahre gemeinsamen Lebenswegs haben nicht ausgereicht, um meiner damaligen Freundin diesen Effekt verständlich zu machen. Sie unterstützte mein Rocktragen, empfand es aber unfair, dass die Gesellschaft das nicht akzeptiere (Konjunktiv). Während wir soviele Beispiele hatten, dass die Gesellschaft es überwiegend akzeptiert, fokussierte sich meine Ex auf die wenigen vermeintlichen Abwehrreaktionen Einzelner und verstärkte, ja provozierte sie geradezu, weil sie immer auf der aktiven Suche danach war, dass es doch irgendwo in der Menge Menschen geben müsse, die abfällig tuscheln, böse gucken oder über uns lachen.

Nun, soweit das Thema, wenn man auf etwas sich fokussiert.

In der Tat ist es aber so, dass vor 40 Jahren derlei (oftmals negative) Aufmerksamkeit ungleich weit verbreiteter war als dies heute der Fall ist. Jenseits Deiner eigenen Ausstrahlung (auch wenn sie nun selbstsicherer geworden ist) ist das Empörungspotential in der Gesellschaft solchen Dingen gegenüber (bei Nagellack kann ich nur im Sommer an den Füßen drüber sprechen) stark zurückgegangen, ja fast gegen Null strebend.

===

So, Braveskirt, erneut hast Du ein Splitterchen von mir mitbekommen.
Ich will an dieser Stelle in Deinem Vorstellungsthread nun noch mal die Gelegenheit nutzen, mich kurz vorzustellen.

Also ich traue mich seit gut 4 Jahrzehnten, in der Öffentlichkeit Röcke zu tragen. Nach gut 10 Jahren hatte ich Hosen nahezu vollständig abgelegt. 10 Jahre später habe ich Hosen quasi völlig aus meinem Leben verbannt. Mir sind Hosen zu unbequem. Und mir war es zu lästig, irgendwelche jenseits des Durchschnittsgeschmack liegenden Hosen zu bemühen, z.B. Haremshosen, nur um auf Teufelkommraus die aufdiktierten Hosen zu tragen. Wenn ich schon vom Erwartungsbild abweiche, dann kann ich doch gleich Röcke tragen, um das Unwohlsein im empfindlichsten Körperbereich zu vermeiden und um keine drückenden und quetschenden steifen Nähte und vielfachen Faltenschlag im Schritt ertragen zu müssen.

Das Thema Kleid hatte mich parallel zwar immer schon interessiert, kam aber lange Zeit zu keinen vernünftigen Ergebnissen oder oben genannte Freundin hätte es auch gar nicht akzeptiert. Seit bald 10 Jahren habe ich aber auch die Scheu vor Kleidern abgelegt. Inzwischen begeistern mich auch bestimmte Stilelemente wie Blümchenmuster, gegen die ich vor sieben Jahren noch auch hier im Forum vehement gewettert habe.

Ich glaube, so viel gibt es nicht mehr, was ich mir noch erobern könnte. Ich denke, ich habe meinen Aktionsspielraum derart erweitert, dass ich gefühlt da angekommen bin, wohin ich hinwollte: Freie Wahl der Kleidung, obwohl ich Mann bin. Freie, selbstbewusste Wahl der Kleidung, weil ich Mann bin.

Zwischen uns liegt quasi ein Bundesland und die Dauer eines Langzeitstudiums.
Ich komme grob aus der Region Südhessen und ich könnte biologisch nicht ganz Dein Vater sein.
Weitere Splitter über mich erfährst Du aus den Tiefen dieses Forums. Dir viel Spaß damit!

Gruß aus Rheinhessen
Wolfgang
Autor MAS
 - 16.01.2025 11:29
Ich meine, es ist eine Mischung aus beidem: In den letzten 20 Jahren haben sich die Menschen daran gewöhnt, da die Menschen nicht mehr so uniformiert herumlaufen wir noch zuvor, dass es mehr Individualität gibt, und das nicht nur in Bezug auf Kleidung, sondern auch in Bezug auf Lebensstile allgemein. Da wundern sie sich also auch weniger über Männer in Röcken, Strumpfhosen oder mit Nagellack oder Ohrringen. Auf der anderen Seite haben wir uns auch daran gewöhnt, Röcke, Nagellack oder was auch immer in der Öffentlichkeit zu tragen und achten weniger auf die Blicke der anderen Menschen. So unterstützen sich die beiden Entwicklungen gegenseitig und lassen uns unsere Kleidung usw. entspannter tragen.

LG, Micha
Autor braveskirt
 - 16.01.2025 10:58
Zitat von: MAS am 16.01.2025 10:48
Da klopfte mein Herz ganz gewaltig zu Beginn jedes Ganges im Rock in die Öffentlichkeit und beruhigte sich erst im Laufe der ersten Paarhundert Meter. Es war wie ins kalte Wasser springen und sich allmählich warmschwimmen. Aber heute gehe ich einfach so raus, als hätte ich eine Hose an und nur selten denke ich daran, dass der Anblick für andere ungewöhnlich sein mag. Aber das Tragegefühl genieße ich nach wie vor sehr intensiv. 
LG, Micha

Lieber Micha, in Sachen Genuss bin ich bei dir ;)

Bisher trage ich nur Maxi-Röcke, da hält sich die Aufregung in Grenzen. Das Aufregungsmaximum hatten bei mir Strumpfhosen zur knielangen Shorts und zu anderer Gelegenheit erstmals lackierte Fingernägel. Die Nägel sind inzwischen zur Normalität geworden, viel bestrumpftes Bein finde ich nach wie vor aufregend.

Bei den Nägeln fällt mir ein: anfangs hatte ich wahrgenommen, dass viele Leute gucken. Inzwischen bin ich mir nicht sicher, ob sich nur meine Fokussierung gelöst hat oder ob es von Anfang an nur eine Projektion meiner eigenen Aufmerksamkeit auf andere war - vielleicht hat es zu keinem Zeitpunkt wirklich jemand interessiert ;)
Autor MAS
 - 16.01.2025 10:48
Genau, lieber Braveskirt!

Ich empfinde es von Anfang an als Pionierarbeit, auch wenn die meisten Menschen der Gesellschaft diese gar nicht wahrnehmen, zumindest nicht als solche. Und die Freude überwiegt gegenüber der Anstrengung auf jeden Fall. Aufregung deswegen war anfangs größer. Da klopfte mein Herz ganz gewaltig zu Beginn jedes Ganges im Rock in die Öffentlichkeit und beruhigte sich erst im Laufe der ersten Paarhundert Meter. Es war wie ins kalte Wasser springen und sich allmählich warmschwimmen. Aber heute gehe ich einfach so raus, als hätte ich eine Hose an und nur selten denke ich daran, dass der Anblick für andere ungewöhnlich sein mag. Aber das Tragegefühl genieße ich nach wie vor sehr intensiv. 

LG, Micha
Autor braveskirt
 - 16.01.2025 10:07
Zitat von: MAS am 16.01.2025 00:20

ich habe vor einiger Zeit ein neues Wort gelernt: "ambig".
Der Unterschied zu "ambivalent" sieht so aus:
"ambivalent" = einander ausschließende Widersprüche
"ambig" = einander ergänzende Widersprüche
Substantive dazu: "Ambivalenz" und "Ambiguität".
Letzteres ist derzeit sozusagen ein Modewort.

LG, Micha

Lieber Micha,

danke für die begriffliche Ergänzung, in jedem Fall wird für mich deutlich, welche psychische Integrationsarbeit wir leisten. Es macht Freude, manchmal kann es aber auch ganz schön anstrengend, aufregend, beunruhigend werden. Eine Hose wäre "bequemer", aber nicht so "luftig" ;)
Autor MAS
 - 16.01.2025 00:20
Zitat von: braveskirt am 15.01.2025 15:18
Das nicht-eindeutige, verspielte, ambivalente hat seinen Reiz, finde ich!

Lieber Braveskirt,

ich habe vor einiger Zeit ein neues Wort gelernt: "ambig".
Der Unterschied zu "ambivalent" sieht so aus:
"ambivalent" = einander ausschließende Widersprüche
"ambig" = einander ergänzende Widersprüche
Substantive dazu: "Ambivalenz" und "Ambiguität".
Letzteres ist derzeit sozusagen ein Modewort.

LG, Micha
Autor braveskirt
 - 15.01.2025 15:18
Zitat von: Skirtedman am 15.01.2025 13:45

Ja, Du rufst in mir gerade die Erinnerung wach an gestern tagsüber. Da war ich auch womöglich "sexy" gekleidet, hatte aber auch keinerlei Adressaten im Fokus. Allerdings habe ich mich auch gar nicht so sehr sexy gefühlt, sondern ich genoss einfach nur die Möglichkeiten, sich so oder so zu kleiden. Und nicht sexy, aber auch nicht unwohl habe ich mich gefühlt (was ja manchmal bei exponierter Situation dann vom einen ins andere umkippen kann), obwohl man das aus Bild 1 von gestern (Bild 4 im Beitrag) so herauslesen könnte.

Eigentlich doch toll, wie sich all diese Gefühle überschneiden und einander durchdringen. Das nicht-eindeutige, verspielte, ambivalente hat seinen Reiz, finde ich!
Autor Skirtedman
 - 15.01.2025 13:45
Zitat von: braveskirt am 15.01.2025 08:31
Ich bin nicht sicher, ob mein Gefühl der Sexyness einen Adressaten braucht, ich fühle mich auch so, wenn ich ganz für mich bin. Noch ein Aspekt, den ich spannend finde.

Ja, Du rufst in mir gerade die Erinnerung wach an gestern tagsüber. Da war ich auch womöglich "sexy" gekleidet, hatte aber auch keinerlei Adressaten im Fokus. Allerdings habe ich mich auch gar nicht so sehr sexy gefühlt, sondern ich genoss einfach nur die Möglichkeiten, sich so oder so zu kleiden. Und nicht sexy, aber auch nicht unwohl habe ich mich gefühlt (was ja manchmal bei exponierter Situation dann vom einen ins andere umkippen kann), obwohl man das aus Bild 1 von gestern (Bild 4 im Beitrag) so herauslesen könnte.
Autor braveskirt
 - 15.01.2025 09:58
Zitat von: high4all am 15.01.2025 09:46
In Anlehnung an Hebert Grönemeyer treibt mich das zur Frage: "Wann ist ein Mann ganz Mann?" Oder: "Gibt es nicht ganze Männer?"
Irgendwo in den Untiefen des Forums gibt es bestimmt eine Diskussion darüber.

Das sind wirklich berechtigte Fragen, was ich auf keinen Fall möchte: den antizipierten Zuschreibungen und Erwartungen anderer hinterherzuleben!
Autor high4all
 - 15.01.2025 09:46
Zitat von: Skirtedman am 15.01.2025 03:17
Wir hattten dieser Tage mal als Randthema die Frage, ob ein Mann, der immer Kleider oder Röcke trägt (wie ich z.B.) trotzdem "ganz Mann" bleiben kann. Ich habe es begründet und daraus folgend bejaht. Ich zum Beispiel. Ja, ein Mann, der Röcke und Kleider trägt (egal wie oft) kann ganz Mann bleiben. Muss er nicht. Eine Gegenantwort zum Beispiel wähnte sich ganz zufrieden, mal sich mehr männlich oder mal mehr weiblich fühlen zu dürfen. Ich glaube, ich weiss, welche Gefühle damit gemeint sind, kann aber für mich sagen, dass ich trotz alledem ganz Mann bleibe.
In Anlehnung an Hebert Grönemeyer treibt mich das zur Frage: "Wann ist ein Mann ganz Mann?" Oder: "Gibt es nicht ganze Männer?"

Irgendwo in den Untiefen des Forums gibt es bestimmt eine Diskussion darüber.
Autor braveskirt
 - 15.01.2025 08:31
Zitat von: Skirtedman am 15.01.2025 03:17

Dennoch bleibt bis zuletzt die Frage. Kopiere ich da nicht einfach nur weibliche Attraktivität (wie ich, Mann, sie an Frauen mag) und hefte sie mir einfach nur an?

=====

Hallo Braveskirt,
willkommen im Forum!

Wolfgang
Danke dir, lieber Wolfgang, für deine ausführlichen Gedanken zum Thema Sexyness, ich habe das mit großem Interesse gelesen und du hast viel Stoff zum Nachdenken geliefert - spannendes Thema!

Ich mag da erst einmal weiter drauf rumdenken, aber ganz spontan: Ich habe für mich das Gefühl, es ist eine originäre, eigene Form der Sexyness, sie ist nicht etwas prinzipiell anderes als es vielleicht Frauen für sich empfinden, aber eben auch keine Kopie.

Ich muss da unbedingt mal mit meiner Frau drüber sprechen, wie sie das empfindet.

Ich bin nicht sicher, ob mein Gefühl der Sexyness einen Adressaten braucht, ich fühle mich auch so, wenn ich ganz für mich bin. Noch ein Aspekt, den ich spannend finde.

Ich freue mich jedenfalls über jeden Menschen, der mich sexy findet, egal welcher sexuellen Identität.
Autor MAS
 - 15.01.2025 08:01
Zitat von: Skirtedman am 15.01.2025 03:17
Eine Gegenantwort zum Beispiel wähnte sich ganz zufrieden, mal sich mehr männlich oder mal mehr weiblich fühlen zu dürfen. Ich glaube, ich weiss, welche Gefühle damit gemeint sind, kann aber für mich sagen, dass ich trotz alledem ganz Mann bleibe.

Wenn Du meine Antwort meinst, Wolfgang, so meine ich eher "ein bisschen weiblich" nicht "mehr weiblich".


Zitat von: Skirtedman am 15.01.2025 03:17
Also, wenn ich mich bisweilen ein bisschen sexy fühle, dann glaube ich, entspringt dieses Gefühl nicht, um vermehrt "weiblich" zu wirken. Sondern eher, mehr mit der Erlebniswelt verbunden zu sein, wie Frauen sie mit ihrer Kleidung empfinden. Ich kleide mich ja durchaus auch so, wie es mir an Frauen gut gefällt, ohne dadurch eine Frau darstellen zu wollen, sondern ganz einfach aus diesem von mir nicht sonderlich geliebten vorgekauten Männlichkeitsbild herauszutreten und einfach die Kleidung tragen zu können, die mir gefällt. Und mit diesen Ausdrucksmöglichkeiten nähere ich mich der Erfahrungswelt von Frauen an, und da kommt manchmal Sexiness mit ins Spiel.

Das kann ich auch für mich so behaupten.

LG, Micha