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ZitatWenn einer weiß, wo unsere Lifestyle-Reise hingeht, dann er. Ich habe ihn in seinem Büro im Pariser Norden besucht, um heraus zu bekommen, wie wir uns in der Zukunft kleiden und stylen werden.
incent Grégoire: Für die Antwort muss ich ein bisschen ausholen. Warum tragen die Männer derzeit alle Bärte? Weil sie genug hatten von den Metrosexuellen der frühen 2000-er Jahre. Die Metrosexuellen waren moderne Dandys, stark von den Fußballern (Stichwort: Beckham) beeinflusst. Es ging damals viel ums Aussehen, man rasierte sich, war sensibel. Angesagt waren Luxus, Logos und viel Bling- Bling. Direkt danach kamen als Gegenbewegung die Lumbersexuellen. ,,Lumber" kommt aus dem Englischen und heißt Holzfäller. Genauso sehen die Lumbersexuellen auch aus: Sie tragen Bart, Holzfäller-Karohemd, dicke Bergschuhe und Mütze. Ihr Ansinnen ist intellektueller, mehr sophisticated. Bärte gelten bei ihnen als Definition einer neuen Maskulinität: rustikaler, roher und mit einem Hang zur Natürlichkeit. Männer sehen wieder aus wie Männer. Echte Kerle eben.
ZitatWie nah ist diese Zukunft?
VG: Naja, die Hipster sind gerade auf dem absteigenden Ast. Adé Nachhaltigkeit, Bio-Gemüse und Achselhaare. Auf dem Weg zum neuen Superhero gibt es solche Hybride-Gestalten wie Conchita Wurst. Mit Bart und perfekten Make-Up. Maskuline und feminine Codes werden vereint. Er/sie ist bereits eine Art Superkreatur.
Alessandro Michele von Gucci hat auch bereits den neuen Weg eingeschlagen. Er stellt seine Männer sehr feminin dar und spielt bei Frauen mit maskulinenen Elementen. Das ist das gerade viel beschworene Genderbending: Die typischen Geschlechterrollen verschwinden. Micheles Gucci-Männer tragen nicht Bart, aber lange Haare.
Irgendwie klingt das nach einem Retour zur Metrosexualität.
VG: Ja, der Lifestyle bewegt sich in Zyklen und die dauern in der Regel zehn Jahre: In den 80-ern gab es den Technologie-Hype, dann kam in den 90-ern der Grunge, in 2000 Bling Bling, 2009/2010 die Slow-Bewegung, 2020 Multipower – und 2030 gibt es vielleicht wieder ein Zurück zur Natur.
Warum glauben Sie das?
VG: Wenn die Generation Z (auch Millennials genannt, A.d.R.) dann 25 Jahre alt sein wird, kann es durchaus sein, dass sie die Technik verwerfen und eins mit der Natur leben wollen. Ihnen geht es nicht ums Geld, sondern ums Wohlfühlen. Bei dieser Generation sind Werte wie Humanität, Soldiarität und Umwelt stark ausgeprägt. Sie brauchen kein Auto mehr, wollen aber reisen, suchen alternative Hotels, wohnen wahrscheinlich privat bei Leuten. Ihr Mobilphone ist ihr wichtigstes Gut, das sie perfekt beherrschen. Wenn eine Firma keine Werte bietet, lehnen sie den Job ab und gründen selbst eine Firma. Sie haben Unternehmergeist. Ihnen geht es vor allem um Respekt und Akzeptanz in der Gesellschaft.
ZitatIhre Merkmale: Sie haben eine Lebensdauer von mindestens 25 Jahren, müssen in allen Lebensbereichen eine Rolle spielen und Auswirkungen zeigen (Politik, Alltag, Ökonomie). Außerdem sind sie global, auch wenn sie nicht weltweit gleich stark ausgeprägt sind.
Ein Beispiel ist der Megatrend: ,,Gender Shift" oder ,,Female Shift". Simpel ausgedrückt: Die Zukunft ist weiblich. In der Modwelt reden wir vom ,,Gender Bender". Der Hintergrund: Die Geschlechterverhältnisse ändern sich: Mehr Frauen sind erwerbstätig, auch in den Schwellen- und Armutsländern hat sich die Frauenbildung in den vergangenen Jahrzehnten erhöht. Männer übernehmen klassische Frauen-Rollen (Elternzeit Männer 2005: 3,2%, 2010: 15%) und dadurch werden auch sie gezwungen, ihr Selbstbild neu zu definieren. Daraus entsteht ein Gegentrend.
ZitatNach den Gesetzen der Trend-Dynamik erzeugt jeder Trend einen Gegentrend. Was wir aus dem Biologie-Unterricht als Osmose kennen, passiert auch in der Gesellschaft: Der Megatrend ,,Gender Shift" führt zu einem Widerstand der Männer, die ihre Machtposition nicht aufgeben wollen. Eine Erscheinungsform dieses Trend kennen wir alle aus dem Straßenbild: Der Bart, eindeutig ein Männlichkeits-Attribut, das so populär ist, wie lange nicht. Warum? Zum Beispiel weil er zu den wenigen Dingen gehört, die wir Frauen den Männern nicht wegnehmen können.
Zitat
der Artikel ist echt super geschrieben! Sehr interessant, wie sich unser Denken und Handeln von Trends beeinflussen lässt- und umgekehrt. Ich genieße übrigens den Gender Shift sehr: Nie zuvor gab es so viele Anzüge für Frauen wie heute. Das genieße ich sehr, weil ich auf Geschäftsreisen einfach keine Röcke und Lackschühchen tragen möchte. Ich fühle mich in so einer Kleidung unwohl, weshalb ich lieber zu einem schicken Massanzug greife. Und es kommt auch bei der breiten Masse gut an, sich als Frau so zu kleiden. Liebe Grüße
Zitat von: Jo 7353 am 07.04.2016 22:10Na moment. Ich könnte auch daraus schließen, dass viele Männer und Frauen auf meine Figur neidisch sind, dass mir vieles steht. Dann müsste es doch welche geben, die sich an mich orientieren, weil diese auf mich neidisch sind?
Wenn es um Mode geht, orientiert sich die Masse an den Personen, auf die sie neidisch ist. (Erklärt nicht alles, aber vieles)
Gruß,
Jo

Zitat von: DesigualHarry am 27.03.2016 10:33
einen Übertrieben Konservatismus oder diese Massenzugehörigkeit zu einem Großkonzern sehe, dann ist es eben nicht mehr so wie in meiner Jugendzeit.
Mir geht es nicht darum diesen Dingen Nachzuweinen, sondern aufzuzeigen dass damals nicht alles schlecht war.
Zitat von: rock aktiv glittergold am 27.03.2016 00:53
Hallo Jürgen,
ein Gruppenzwang besteht oft nur bis in die Pubertät hinein, bevor jeder sein eigenes Ding macht. Dass sich hier hauptsächlich welche ab dem 40. Lebensjahr tummeln, hat damit zu tun, dass das Forum altbacken ist, wie die Themen und Meinunngen mancher Mitglieder. Auf Tumbler und Printerest sieht die Welt wieder ganz anders aus.

Zitat von: rock aktiv glittergold am 27.03.2016 00:53Zitat von: JJSW am 26.03.2016 07:15Richtig. Überleg mal stark, warum es dir keiner gleichtun möchte. Das hat weniger mit Gruppenzwang zu tun als mit dem fehlenden Bedürfnis einen Rock tragen zu wollen. Bei mir kommt der Großteil auch damit klar, dass ich Röcke trage und die sehen auch, dass ihre Freundes-Freunde keine Probleme mit mir haben. Trotzdem tun sie es mir nicht gleich, weil sie einfach das Verlangen nicht danach haben. thats it.
Und im Rock bin ich nicht einsam geworden, sondern habe Partnerin und Freunde. Auch wenn es von den Freunden mir keiner mit dem Rock tragen gleichtun will "Was könnten denn die Leute denken?"
Grüßle
Jürgen
Deine Partnerin hattest du aber schon vorher. Darum brauchtest du erstmal keine banalen Dinge erklären oder aus der Welt schaffen. Das vergesst und vermischt ihr hier mal gerne. Freundschaft ist ne andere Hausnummer als Partnerschaft und Sex.

Oder Wenn man beim Nachbar war dann war da immer dieser Stolz auf die eigens Zusammengestellte Stereoanlage Unterschiedlicher Hersteller, denn kaum ein Casettendeck oder Plattenspieler klang gleich... 
Zitat von: rock aktiv glittergold am 27.03.2016 01:10
Was haben denn die letzten 2. Mio für eine Bedeutung für mich? Keine! Oder wollen wir jetzt ein Bärenfellmode Forum eröffnen, weil Männer kein Bärenfell mehr tragen?
Zitat von: DesigualHarry am 26.03.2016 21:21
Hallo!
Ja klar, vor 60 Jahren... Damals rebellierte man aber als aufwachsender Jugendlicher... Sind ja nicht umsonst so viele Bewegungen aus diesen Jahrzehnten hervorgegangen. Wie konnte es sonst zum Fall der Berliner Mauer kommen? Heute bauen sie wieder Zäune...
Kann sein dass ich vieles anders empfinde, aber im Vergleich zu meiner Jugendzeit und frühen Erwachsenenzeit in den Jahren 1985 - 1995, wo ich unglaublich viel mehr Individualität erlebt habe, hat die derzeitige Zeit für mich viel mit eingesperrt zu tun.
Zitat von: JJSW am 26.03.2016 07:15Hallo Jürgen,
Mit zunehmendem Alter kann man sich wohl vom Gruppenzwang lösen. Wenn man seinen platz im Leben gefunden hat. Das ist wohl auch der Grund, warum der Großteil der Mitglieder hier 40, 50 oder mehr Lebensjahre zählen.

Zitat von: JJSW am 26.03.2016 07:15Richtig. Überleg mal stark, warum es dir keiner gleichtun möchte. Das hat weniger mit Gruppenzwang zu tun als mit dem fehlenden Bedürfnis einen Rock tragen zu wollen. Bei mir kommt der Großteil auch damit klar, dass ich Röcke trage und die sehen auch, dass ihre Freundes-Freunde keine Probleme mit mir haben. Trotzdem tun sie es mir nicht gleich, weil sie einfach das Verlangen nicht danach haben. thats it.
Und im Rock bin ich nicht einsam geworden, sondern habe Partnerin und Freunde. Auch wenn es von den Freunden mir keiner mit dem Rock tragen gleichtun will "Was könnten denn die Leute denken?"
Grüßle
Jürgen
Zitat von: cephalus am 26.03.2016 11:33Hallo Cephalus,
Auch wollte er letztlich wieder kurze Haare, nachdem er sie eine Weile wachsen ließ, weil er der Meinung der Leute nicht mehr standhalten wollte/konne.
Da hilft auch maximale Unterstützung zuhause (z.B. vom langhaarigen Vaterauf dauer nichts)
Ich fand's tragisch
VG
Cephalus

Zitat von: DesigualHarry am 26.03.2016 21:21Hallo Harry,
Hallo!
Ja klar, vor 60 Jahren... Damals rebellierte man aber als aufwachsender Jugendlicher... Sind ja nicht umsonst so viele Bewegungen aus diesen Jahrzehnten hervorgegangen. Wie konnte es sonst zum Fall der Berliner Mauer kommen? Heute bauen sie wieder Zäune...
Kann sein dass ich vieles anders empfinde, aber im Vergleich zu meiner Jugendzeit und frühen Erwachsenenzeit in den Jahren 1985 - 1995, wo ich unglaublich viel mehr Individualität erlebt habe, hat die derzeitige Zeit für mich viel mit eingesperrt zu tun.
1995 ging es nur dank der Loveparade bunt her. Und das aber auch nur an Wochenenden, wenn die Partymeute bis Montag früh feiern ging. Aber so schrill oder inividuell wars im Gesamten, außer zur Loveparade dann auch nicht, weil man sich bequem und schlicht anzog. Man wollte einen Gegenpol zur Schickimicki Disco darstellen. Im Vordergrund stand die Musik und das Feiern und nicht die Kleidung. Ich glaube, du sinnierst aus verblassten Erinnerungen heraus, die du dir aus Filmen holst. Filme aus den 70s und 80s sind oft sehr übertrieben dargestellt und an der Realität und Alltag vorbeigehend. Und Musikvideos wie von David Bowie oder Dead or Alive waren nicht der Alltag. Wenn ich mir alte Fotos von meiner Familie aus den 70ern anschaue, waren die nicht weniger farbig oder individueller angezogen als heute. Für Männer galt Hemd,Krawatte und ein schlichter Anzug, bestenfalls mit Hahnentritt als angezogen. Das war's. Wenig später kam die Jeans bei den Jüngeren auf. Jeans und Lederjacken waren bei Männern hip. Heute sind es Röhrenjeans mit Sneakers und dazu Lederjacken. Bei der Feier meines Freundes fing de ältere Mann auch zu erzählen - weil er meine Absätze sah und eh dachte, ich wär ne Frau - dass es für Männer früher auch Schuhe mit hohen Absätzen gab. Die hat er nach zweimal anziehen in die Ecke geflackt, weil er Wadenkrämpfe darin bekommen hatte, wie er erzählte. Und ich vermute, dass war nicht der einzige Mann, der so dachte. Die Mehrheit der Männer hat einfach kein Bedürfniss Röcke oder hohe Schuhe zu tragen. Und mit den vereinzelten wenigen modeinteressierten Männern, lässt sich kein Geld verdienen. Sonst hätten Modegeschäfte schon längst ihr Angebot darauf ausgerichtet.