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Premiere

Begonnen von Lutram, 28.11.2016 19:40

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Lutram

Am 1. November war ich zum ersten Mal in der Öffentlichkeit mit einem Rock unterwegs. Der Start begann in der abendlichen Stosszeit im Hauptbahnhof Zürich. Bald stellte ich auch fest, was alle anderen Rockträger auch schon wissen: keine Reaktionen aus der Menge! Ich nehme an, dass viele bei anderen Passanten gar nicht so sehr auf die Beinbekleidung achten, und bei den anderen wird man vielleicht einfach als Spinner oder Exzentriker eingestuft, von denen in einer grossen Stadt ja ohnehin eine Menge unterwegs ist ... Möglicherweise ist es einigen auch tatsächlich egal, wie die Mitmenschen gekleidet sind. Schade, dass ich keinen Rückspiegel dabei hatte; interessiert hätte mich schon, ob sich wirklich niemand nach mir umgedreht hat.
Was mich umgehauen hat: es fühlte sich unglaublich richtig an, einen Rock zu tragen! Das Gefühl von Freiheit, das sich einstellte! Wie keine Hosen die Beine von der Umwelt abschliessen, sondern der schwingende Saum die Beine umschmeichelt. Für mich eigentlich unbegreiflich, dass man kaum mehr Frauen im Rock sieht, obwohl bei dieser Hälfte der Bevölkerung (wenigstens in Zentraleuropa) das Rocktragen gesellschaftlich akzeptiert ist und ein Jupe doch so viel bequemer als ein Paar Hosen ist.
Überraschend schnell stellte sich die Gewöhnung an die Situation ein. Nicht im Sinne einer Abstumpfung, sondern eher als anhaltendes Hochgefühl. Ich hatte den Eindruck, als hätte ich schon immer einen Rock getragen und ich konnte mir auch nicht vorstellen, jemals wieder in Hosen, und nicht in einem Rock unterwegs zu sein. (Natürlich trug ich am nächsten Morgen wegen der Sicherheit am Arbeitsplatz wieder die üblichen langen Hosen).
Übrigens war ich in Zürich, um mir bei einer darauf spezialisierten Schneiderin einen Männerrock auszusuchen. Ich wurde auch tatsächlich fündig und nun warte ich auf die Fertigstellung des Kleidungsstücks in meiner Grösse.

JJSW

Hallo Lutram
Willkommen im Forum
Deine Erfahrungen sind nahezu identisch wie meine, die ich beim erstem Mal im Rock gemacht hab.
Fühlt sich gut an, außer paar Blicken kaum Reaktionen und die ganzen zurechtgelegten Standardantworten, hab ich nicht gebraucht, weil mich niemand angesprochen hatte (oder sich nicht getraut hat) ;)
Grüßle
Jürgen
Laßt Euch nicht von Zweifeln plagen
und genießt das Röcketragen

MAS

Hallo Lutram,

willkommen im Kreise der emanzipierten Männer!

"Dauerhaftes Hochgefühl" umschreibt es gut!

Deinen Beitrag sollte Lea lesen. Vielleicht versteht sie dann auch ihren Vater besser.

LG, Micha
Wer das Leben ernst nimmt, muss auch über sich lachen können.

ACHTUNG! Ich verbiete ausdrücklich, Texte oder Bilder, die ich hier einstelle, ohne meine ausdrückliche Erlaubnis auf andere Seiten zu kopieren!

androgyn

Willkommen.
Zitat von: Lutram am 28.11.2016 19:40
Übrigens war ich in Zürich, um mir bei einer darauf spezialisierten Schneiderin einen Männerrock auszusuchen. Ich wurde auch tatsächlich fündig und nun warte ich auf die Fertigstellung des Kleidungsstücks in meiner Grösse.
Bei Sandra, Ankerstraße?

kalotto

Hallo Lutram, willkommen!
Unisex=Einbahnstraße? Dann bin ich Geisterfahrer ;)
Er kam sich underdressed vor und nähte sich Röcke

Bruno

Hallo Lutram, auch ein herzliches Willkommen von einem "fast"Neuling.hatte meine rockige Premiere am 30.10.war etwas differenzierter vom Feeling her,aber ich breue nichts!!!!! ;) Rockige Grüße von Bruno.

Asterix

Herzlich willkommen auch von mir!
"Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen" (Giovanni Bosco)

manfred58

#7
Herzlich willkommen .

Ich habe gestern auch meinen neuen Stepprock eingeweiht. Mit kurzem Steppmantel , brauner Strumpfhose und kniehohen braunen Stiefeln.
Schönes Gefühl . Es entspannt mich irgendwie.


schöne Grüße
Manfred

high4all

Herzlichen Glückwunsch zur gelungenen Premiere!

https://www.youtube.com/watch?v=1v8VR4JlZZo
(Die Lautstärke voll aufdrehen.)

ZitatWas mich umgehauen hat: es fühlte sich unglaublich richtig an, einen Rock zu tragen! Das Gefühl von Freiheit, das sich einstellte! Wie keine Hosen die Beine von der Umwelt abschliessen, sondern der schwingende Saum die Beine umschmeichelt.

Weiter so!

LG
Hajo
Herr, ich danke Dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele. (Psalm 139,14)

Never be limited by other people's limited imaginations. (Dr. Mae Jemison)

Wenn wir es recht überdenken, so stecken wir doch alle nackt in unsern Kleidern. (Heinrich Heine

Asterix

"Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen" (Giovanni Bosco)

Mann im Rock

Hallo Lutram,
man gewöhnt sich mit der Zeit dran, dass man ja im Rock gar nicht sonderlich auffällt.

Du schreibst einige Interpretationen, warum andere nicht reagieren:
- achten nicht auf die Beinkleider,
- andere betrachten einen als Spinner oder Exzentriker,
- anderen ist es egal.

Wie gehst du selbst durch die Strassen, wenn du ganz unauffällig gekleidet bist? Gehe ich von mir aus, so bemerke ich aber recht deutlich, ob jemand Rock oder Hose trägt. Im Sommer frage ich mich da manchmal, auf wie vielen Metern Distanz der Unterschied zwischen Rock und Shorts nicht mehr bemerkt wird. In den kühleren Jahreszeiten frage ich mich, wann der Unterschied zwischen Skinny Jeans und Leggins oder Strumpfhose verschwimmt. Und was ich selbst dabei denke? Eigentlich nichts. Kürzlich auf einem Weihnachtsmarkt habe ich einen Mann im Schottenrock gesehen. Mein Gedanke dazu: eigentlich nichts. Interessanter war da ein anderer Mann an einem Stand, der bei Null Grad barfüßig war. Da dachte ich mir, dass man ja schon ziemlich hart im Nehmen sein muss, wenn man sowas macht.

Ansonsten: ja, es fühlt sich unheimlich richtig an im Rock. Nach Monaten und Jahren hat man echte Wahlfreiheit, was man anzieht. Prinzipiell merkt man im Normalbetrieb gar keine Unterschiede, man vergisst einfach, was man anhat. Es geht eher um die Auswahl beim Anziehen. Röcke und Strumpfhosen sind halt schöner, abwechslungsreicher als Hosen.

Mann im Rock


Wenn es uns gelingt, uns aus unseren eingebildeten Beschränkungen zu befreien und unser inneres Feuer anzuzapfen, dann sind die Möglichkeiten unbegrenzt. (Dean Karnazes)

high4all

#11
Zitat von: Mann im Rock am 29.11.2016 14:05
Gehe ich von mir aus, so bemerke ich aber recht deutlich, ob jemand Rock oder Hose trägt.

Logisch, dass Du viel mehr auf die Beinkleidung der Menschen achtest als Otto Normalverbraucher. Weil Du Dich dafür interessierst.

Das geht vermutlich den meisten "Rockern" ebenso. Weil sie eine Antenne dafür entwickelt haben. Bei mir kommt der Blick auf das Schuhwerk hinzu, weil ich (für Männer) ungewöhnliche Schuhe trage.

LG
Hajo
Herr, ich danke Dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele. (Psalm 139,14)

Never be limited by other people's limited imaginations. (Dr. Mae Jemison)

Wenn wir es recht überdenken, so stecken wir doch alle nackt in unsern Kleidern. (Heinrich Heine

Mann im Rock

Zitat von: high4all am 29.11.2016 14:19Logisch, dass Du viel mehr auf die Beinkleidung der Menschen achtest als Otto Normalverbraucher. Weil Du Dich dafür interessierst.

Sicher, das ist eine Erklärung. Aber logisch? Es würde mich mal interessieren, wie viele Leute überhaupt auf die Beinbekleidung achten. Klar ist, dass ein Menschengedränge eher dahin führt, dass man keinen Blick mehr für andere hat. Klar ist, dass wenn sich zwei Menschen begegnen, ohne dass sonst jemand in der Nähe ist, eher dazu führt, dass man eine Ganzaufnahme macht.

Wenn es uns gelingt, uns aus unseren eingebildeten Beschränkungen zu befreien und unser inneres Feuer anzuzapfen, dann sind die Möglichkeiten unbegrenzt. (Dean Karnazes)

androgyn

Zitat von: Mann im Rock am 29.11.2016 14:05
- andere betrachten einen als Spinner oder Exzentriker,
- anderen ist es egal.
Das wohl eher als das nicht beachten der Beinkleidung. Die allermeisten haben über Männer, wenn es über den Männerrock hinausgeht, kaum Nachvollziehbarkeit über die Beweggründe, Frauensachen zu mögen. Meine Erfahrung ist, dass man "uns" akzeptiert, da man den Lebenstil mit Transvestiten verbindet und diese eher gewohnt ist als dass ein Mann sich nicht nicht-männerkonforme Sachen anzieht. Darauf zu bestehen, dass es alternative Männermode sei oder trotzdem männlich wäre, findet kaum bis kein Gehör. Nach dem Motto; Es kann jeder anziehen was er möchte, aber für richtige Männer ist das nichts.
Das witzigste war mal, wo eine hübsche junge Frau auf mich zu kam und mich mit Komplimenten überhäufte. Da wollte ich die Chance ergreifen und mit ihr flirten. Sie blockte ab, "Ich bin Hetero, ich steh auf Männer"
Ähh...ja...wo ist der Unterschied?  ;D

Oder vor kurzen. Eine Beraterin aus einer Arbeitsvermittlung meldete sich die Tage bei mir, dass sie eine neue Stelle für mich hätte. Sie schickte nach meiner Zustimmung mein Profill raus und fragte, ob sie es als Frau oder Herr rausschicken soll. Ich sagte, natürlich als Herr, *geht ja nicht anders. "dann müssen wir uns beim Vorstellungsgespräch auch männlich anziehen". äh... ??? tsss....  ::)


Zitat von: Mann im Rock am 29.11.2016 14:05
Interessanter war da ein anderer Mann an einem Stand, der bei Null Grad barfüßig war. Da dachte ich mir, dass man ja schon ziemlich hart im Nehmen sein muss, wenn man sowas macht.
Barefoot-Joe, bist du's?  ;D

*geht nicht anders = wenn mein Lebenslauf mit weiblicher Ansprache rausgeht, dürfte das mehr Verwirrung stiften, weil meine Zeugnisse auf die männliche Anrede ausgeschrieben bleiben, als wenn ich zum Bewerbungsgespräch in Bluse oder im Hosenazug erscheinen würde. Und das würde mich mehr in Erklärungsnot bringen oder zu Diskussionen führen. Bei den letzten Vorstellungsgespräch, die ich alleine gehe, hat das bis auf einen AG niemanden gestört.

BerlinerKerl

Zitat von: Mann im Rock am 29.11.2016 14:33
Es würde mich mal interessieren, wie viele Leute überhaupt auf die Beinbekleidung achten. Klar ist, dass ein Menschengedränge eher dahin führt, dass man keinen Blick mehr für andere hat. Klar ist, dass wenn sich zwei Menschen begegnen, ohne dass sonst jemand in der Nähe ist, eher dazu führt, dass man eine Ganzaufnahme macht.  

Viele!
Karli hatte mal Bilder hier gepostet, wo man die Leute alle beobachten konnte, die einen beobachteten.

War nett anzuschauen.
In München hatte er mir das mal gezeigt, wie er das macht.
Ich emanzipiere mich, wer kommt mit?