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Kopftuch, na und? Warum es nervt, Menschen nach der Kleidung zu beurteilen

Begonnen von high4all, 02.01.2020 09:17

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high4all

Herr, ich danke Dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele. (Psalm 139,14)

Never be limited by other people's limited imaginations. (Dr. Mae Jemison)

Wenn wir es recht überdenken, so stecken wir doch alle nackt in unsern Kleidern. (Heinrich Heine

Holger Haehle

"Don't judge a book by it's cover", sagte schon  Frankenfurter in der Rocky Horror Picture Show.

Andererseits leben wir in einer Welt mit einer Gruppendynamik, die zu grunde legt, dass Äußerlichkeiten die Werte einer Gruppe spiegeln. Kleidung dient nicht in erster Linie praktischen Zwecken. Sie zeigt unseren sozialen und beruflichen Status, die Geschlechtszugehörigkeit, unsere Gehaltsklasse usw. Einfach Mensch sein ist oft unerwünscht. Dafür wird alles durchkonnotiert.

Ist ein harter Brocken Arbeit diese Strukturen aufzubrechen. Aber wenn du und andere damit nicht anfangen, wird sich nie etwas ändern. Also Hajo, mach bloss weiter so!

cephalus

Ich denke schon, dass es zulässig ist Beurteilungen nach der Kleidung zu treffen, ich sehe Kleidung, wie auch in dem Video eingeräumt, durchaus als Kommunikationsmittel.

Wie bei jeder Kommunikation taucht manchmal das Problem auf, dass sich Sender und Empfänger nicht verstehen, und Aussagen falsch interpretieren, z.B. weil sie nicht den gleichen Hintergrund haben. Im gleichen Maße wie eine "Bildungssprache" oft nur von einem kleinen Kreis verstanden wird, und das andere Ende der Sprachskala gerne als Beleidigung empfunden wird, obwohl es nicht in der Intention des Senders lag, werden die gleichen Probleme in den Randbereichen der Kleidungssprache auftreten.

Die Dame im Video hat eine lange Liste an Aussagen die sie nicht aus dem Kopftuch gelesen haben möchte, dass sie Muslima ist und der Glaube für sie eine Bedeutung hat, soll jedoch schon erkannt werden?! Woher soll der Betrachter exakt erkennen, was er lesen soll, was nicht?
Die nächste vermittelt evtl. nur, dass Ihrem Bruder eine Tradition wichtig ist...

Nein pauschal kann ich nicht zustimmen, auch wenn es natürlich wenig Sinn macht all zu viele Rückschlüsse aufgrund der Kleidung, auf alle möglichen Eigenschaften eines Menschen zu ziehen.

Wir, die wir uns in Europa am Rande des Spektrums bewegen, müssen wohl manche Fehlinterpretation in Kauf nehmen, immerhin teilen wir doch grundsätzlich mit, dass uns gesellschaftliche Regeln weniger wichtig sind, als, wie auch immer geartete, persönliche Gründe.

Cephalus

high4all

Es gibt christliche Gemeinden, in denen Frauen bis heute Kopftücher tragen. Aus religiösen Gründen.

Meine Grossmütter haben regelmässig Kopftücher getragen, das war seinerzeit nicht unüblich.
Herr, ich danke Dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele. (Psalm 139,14)

Never be limited by other people's limited imaginations. (Dr. Mae Jemison)

Wenn wir es recht überdenken, so stecken wir doch alle nackt in unsern Kleidern. (Heinrich Heine

MAS

ZitatWo die Frauen ganz ohne Islam bei da Arbat no Kopfdiacha drong

   C                   F                                C

Wo kaum oana an Urlaub bucht, do muaß Di eher hi verschlong

      G                       C

Wo ma grad is und ehrlich und manchmoi a laut

         G               C

Wo ma si no gega Großkopfade wos song traut

       F                        C

Wo der Biber ois zammfrisst, da Marder den Rest

     G                      C

Drei Bierbänk', a Fassl san do scho a Fest

          F                             C                       G

Des is de Gegend, wo die Leit in erster Linie koa Geid, sondern Grund versteiern...



Niederbayern
https://tabs.ultimate-guitar.com/tab/hannes-ringlstetter/niederbayern-chords-1738603

Zum Hören: https://www.youtube.com/watch?v=Bhw8ZCNJxOI

LG, Micha
Wer das Leben ernst nimmt, muss auch über sich lachen können.

ACHTUNG! Ich verbiete ausdrücklich, Texte oder Bilder, die ich hier einstelle, ohne meine ausdrückliche Erlaubnis auf andere Seiten zu kopieren!

JJSW

Bin zwar keine Frau aber manchmal trag ich auch ein Kopftuch ;)

(Sorry Cephalus, ich weiß, die Jacke ;) )



Grüßle
Jürgen
Laßt Euch nicht von Zweifeln plagen
und genießt das Röcketragen

Chris Schumann

Zitat von: cephalus am 02.01.2020 13:27
Die Dame im Video hat eine lange Liste an Aussagen die sie nicht aus dem Kopftuch gelesen haben möchte, dass sie Muslima ist und der Glaube für sie eine Bedeutung hat, soll jedoch schon erkannt werden?! Woher soll der Betrachter exakt erkennen, was er lesen soll, was nicht?
Die nächste vermittelt evtl. nur, dass Ihrem Bruder eine Tradition wichtig ist...

Und bei genauerem Lesen, liegt auch genau hier der Hund begraben!

Wir sollen die Leute nicht nach Bekleidung in Schubladen stecken, aber anhand des Kopftuches Sie als Muslima "abstempeln" *kopfkratz*

Das ist doch ein Widerspruch in sich...
Es ist schwieriger, eine vorgefasste Meinung zu zertrümmern, als ein Atom... (Einstein)

🎼🎤"Einer muss den Job ja machen... - Bitte keine halben Sachen..." (Udo Lindenberg)

Matthias

Ich kann mich auch daran erinnern, dass früher Frauen hierzulande öfter mal ein Kopftuch getragen haben. Es waren überwiegend ältere Frauen. Religiöse Gründe hatte das aber soweit ich weiß nicht.

Grüße Matthias

JJSW

Früher war es ja ganz normal das Frauen Kopftücher trugen. In der Landwirtschaft oder bei Hausarbeiten. Gerade im landwirtschaftlichem Bereich heute noch zu sehen
Früher auch beim Cabriofahren.

Grüßle
Jürgen
Laßt Euch nicht von Zweifeln plagen
und genießt das Röcketragen

Matthias

@chris
Da hast du schon recht.
Bei Frauen die eine Burka tragen oder verschleiert sind soll man meiner Meinung nach schon erkennen, welchem glauben sie angehören.

In meiner Jugend hat man sehr stark mit der Kleidung definiert, welcher Gruppe man angehört. Heute ist das glaube ich nicht mehr so stark ausgeprägt.

Grüße Matthias

Chris Schumann

Zitat von: Matthias am 02.01.2020 19:13
@chris
Da hast du schon recht.
Bei Frauen die eine Burka tragen oder verschleiert sind soll man meiner Meinung nach schon erkennen, welchem glauben sie angehören.

In meiner Jugend hat man sehr stark mit der Kleidung definiert, welcher Gruppe man angehört. Heute ist das glaube ich nicht mehr so stark ausgeprägt.

Grüße Matthias


Ich bin ja nichtmehr der allerjüngste, und auch nichtmehr ganz fit in der Sache... - war ich aber auch früher nie...
Aber: Ich erkenne da teilweise durchaus, das viele der Zielgruppe "16-25" (so ungefähr) sich über Klamotten definieren wollen... - egal ob große Schriftzüge, spezielle Klamottenschnitte, oder vielleicht auch einfach nur das "Flanking" (Knöchelfrei)... - das spielt denke alles in diese Ecke...
Es ist schwieriger, eine vorgefasste Meinung zu zertrümmern, als ein Atom... (Einstein)

🎼🎤"Einer muss den Job ja machen... - Bitte keine halben Sachen..." (Udo Lindenberg)

JJSW

Das zur Zeit so viele mit freien Knöcheln herumlaufen ist mir auch schon irgendwie aufgefallen. Aber erst seit Dezember letzten Jahres ;)

Also auch eine Gruppe.

Ich gehöre zur Gruppe der Rock oder Kleidtrâger. Die sind aber eher selten und zu weit verstreut um öfters rudelweise aufzutreten.

Grüßle
Jürgen
Laßt Euch nicht von Zweifeln plagen
und genießt das Röcketragen

Matthias

Stimmt, das sind Dinge die aktuell angesagt sind. Das Knöchelfrei sieht man inzwischen auch oft bei jüngeren Männern.
Markenklamotten sind wahrscheinlich noch angesagter als früher.

Grüße Matthias

Matthias

Kleidung hat ja auch bei Handwerksberufen eine große Tradition, zumindest die Farben.
Elektriker blau, Schreiner braun, Gärtner grün, Maler weiß usw.

Grüße Matthias

MAS

Ich zitiere mal aus meinem Essay "Sozialverantwortlicher Eigensinn":

ZitatIch bringe mal drei Beispiele aus einem ganz äußerlichen Bereich, nämlich dem der Kleidung, in welchem ich als Mann, der gerne Röcke trägt, auch ein wenig aus dem konventionellen Rahmen falle.

Man stelle sich vier Männer vor, deren einer einen großen Hut trägt, etwa einen Stetson, deren zweiter einen Rock trägt, etwa einen Jeansrock, deren dritter einen Anzug mit Hose, Jackett und Krawatte trägt und deren vierter mit Jeanshose und T-Shirt bekleidet ist. Sollte man zu den Menschen gehören, die darüber nachdenken, warum sich ein Mensch so oder so kleidet, könnte man zu folgenden Überlegung kommen:

Zu dem Mann mit dem großen Hut:
Will er sich vor der Sonne schützen?
Kommt er aus einem Land, in dem man solche Hüte trägt, etwa aus Texas?
Will er auffallen und sich wichtig machen?
Ist er ein kindgebliebener Mann, der gerne Cowboy spielt?
Ist er ein Schauspieler mit Kostüm?
Hat er den Hut als Souvenier von einer Reise mitgebracht?

Zu dem Mann mit dem Rock:
Ist es ihm in Hosen zu unbequem oder zu warm?
Kommt er aus einem Land, in dem man Röcke trägt, etwa aus Schottland?
Trägt er gerne Frauenkleidung, etwa weil er sexuell irgendwie anders orientiert ist als hetero- und cissexuell, also homo- oder transsexuell, transvestitisch, fetischistisch oder sonstwie?
Will er gerne auffallen und sich wichtig machen?
Sind seine Hosen alle in der Wäsche, und hat er sich einen Rock ausgeliehen?
Findet er Röcke schöner als Hosen?

Zu dem Mann mit dem Anzug:
Kommt er von oder geht er zu einem Fest?
Will er mir was verkaufen?
Findet er Anzüge und Krawatten schön?
Wurde er dazu gezwungen, sich so unbequem zu kleiden, etwa von seinem Chef?
Ist er ein unsicherer Mensch, der sich so kleidet, um nicht negativ aufzufallen und seine Unsicherheit zu verbergen?
Liebt er es, sich zu uniformieren, um in der Masse unterzugehen?
Will er gerne den Chef spielen?

Zu dem Mann mit Jeanshose und T-Shirt:
Kleidet er sich gerne bequem?
Legt er Wert auf unauffällige Kleidung?
Ist er ein IT-Spezialist, der auf Grund seiner Fachkompetenz nicht der Pflicht unterliegt, einen Anzug zu tragen?
Hat er Urlaub?
Ist er auf dem Weg zu oder kommt er von einer Arbeit, die praktische Kleidung erfordert?
Ist er ein Fan amerikanischer Freizeitkleidung?

Man sieht also, dass es jeweils mehrere Möglichkeiten gibt, die Kleidungswahl eines Menschen zu interpretieren. Vielleicht kommen uns sehr schnell Assoziationen in den Kopf, die in über 50% der Fälle auch der Wahrheit entsprechen mögen. Doch scheint mir auch eine mögliche vielleicht 20%ige Fehlerquote zu hoch, als dass wir uns erlauben könnten, einer anerzogenen Spontanbeurteilung vollends zu vertrauen. Unsere Gesellschaft heute ist schon zu pluralistisch, als dass Pauschalurteile eine Chance hätten, in mehr als acht von zehn Fällen zuzutreffen.
https://michael-alwis-schmiedel.blogspot.com/2005/03/sozialverantwortlicher-eigensinn.html

Man könnte ergänzen:
Eine Frau mit Kopftuch:
Ist sie eine traditionelle Frau aus dem östlichen Mittelmeerraum?
Ist sie eine traditionelle Muslimin?
Ist sie eine Methodistin aus Russland?
Ist sie eine Islamistin?
Mag sie einfach nur Kopftücher?
Will sie ihre Haare schützen?
usw. usf.

LG, Micha
Wer das Leben ernst nimmt, muss auch über sich lachen können.

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