Neuigkeiten:

Probleme mit dem ersten Login nach der Registrierung? Unterstützung gibt's über den Kontakt-Button

Hauptmenü

Im Rock auf der Arbeit

Begonnen von MAS, 03.11.2022 16:29

Vorheriges Thema - Nächstes Thema

JJSW

#735
Mir wars vor allem im Sommer wichtig, das ich Rock tragen kann, um es erträglicher bei der Hitze zu haben. Damit anzufangen war kein Problem, nachdem immer mehr Kollegen im Sommer Shorts getragen haben, bis zum Abteilungsleiter.

Dieses Jahr begann meine Rocksaison auf Arbeit Ende April und dauerte bis Mitte Oktober.

Grüßle
Jürgen
Laßt Euch nicht von Zweifeln plagen
und genießt das Röcketragen

MAS

#736
So ist das richtig, Dresscodes hin oder her!

LG, Micha
Wer das Leben ernst nimmt, muss auch über sich lachen können.

ACHTUNG! Ich verbiete ausdrücklich, Texte oder Bilder, die ich hier einstelle, ohne meine ausdrückliche Erlaubnis auf andere Seiten zu kopieren!

Yoshi

Ich kann Hirtis Einstellung durchaus nachvollziehen. Letztendlich muss jeder selbst entscheiden, wie wichtig das für ihn ist und inwiefern er die Reaktionen des Umfelds einschätzt. Ich habe mich nun für diesen Weg entschieden, der sicherlich nicht für jedermann der Richtige ist. Neben persönlichem Wohlbefinden spielt bei mir natürlich auch mein Idealismus und Freigeist mit hinein, und zwar ist ein Teilaspekt meiner Arbeit die "gendersensible Erziehung", d. h. Kinder sollen sich frei von Geschlechterklischees und -grenzen entwickeln können; beispielsweise dürfen Jungs selbstverständlich mit Puppen spielen, Kleider tragen und weinen, Mädels dürfen genauso mit Autos oder Fußball spielen und laut sein wie die Jungen. Kinder sollen ihre Persönlichkeit unabhängig ihres Geschlechts frei entfalten können und das gilt natürlich auch für uns Fachkräfte, die eine Vorbildfunktion haben. Ich würde quasi den Kindern eine Lüge vorleben, wenn ich den Jungs sage, dass sie aus der Verkleidungskiste Prinzessinnenkleider anziehen dürfen, mich aber selbst in Hosen zwänge, weil sich vereinzelte Eltern aufregen.

Ich war gestern zum Hospitieren in der Einrichtung, in der ich zwei Tage zuvor das Kennenlerngespräch hatte. Mein Rock hat wohl das Team ins Grübeln gebracht und man versuchte sich indirekt an das Thema ranzutasten. Eine Erzieherin meinte, dass sie lange gerätselt haben, was ich mit "gendersensibler Erziehung" meine. Natürlich wissen sie das und das hätten sie im Kennenlerngespräch ja schon fragen können, aber die Frage kam wohl erst im Nachhinen, als man Rock und Nagellack bei mir gesehen hatte. Ich habe ihr also mein Verständnis des Begriffes kurz erklärt und sie meinte, dass sie hier auch so arbeiten würden. Eine weitere Erzieherin und Praktikantin gesellten sich hinzu, sodass ein interessanter Austausch über Gendernormen entstand. Die Erzieherinnen kritisierten vor allem den Umgang mit Jungen, die von der Gesellschaft mehr eingeschränkt werden als Mädchen. Während des Gesprächs betonte eine Erzieherin, dass die Jungs hier selbstverständlich auch Kleider tragen dürfen und sie sich gerne mal aus der Verkleidungskiste anziehen. Das verstand ich als Überleitung, dass ich von mir erzähle. Ich habe es allerdings zuerst nicht gemacht, weil ich denke, dass man mich ruhig direkt ansprechen kann. Nachdem sie im Laufe des Gesprächs diesen Punkt das dritte Mal wiederholt hatte, habe ich dann doch von mir aus erzählt und wir haben uns über Mode unterhalten. Die Erzieherinnen haben es sehr positiv aufgenommen.

Ich finde es interessant, dass viele Menschen Hemmungen oder vielleicht auch Scham haben, einen rocktragenden Mann auf sein Kleidungsstück anzusprechen. Für viele scheint das Ansprechen einer Art "Tabubruch" gleichzukommen und es wird teilweise krampfhaft versucht, über das Hintertürchen den Rockträger zum Plaudern zu bringen. Das beobachte ich vor allem bei Leuten, die interessiert und neutral bis positiv eingestellt sind. Wahrscheinlich wollen sie nicht in ein Fettnäpfchen treten. Es herrscht bestimmt auch bei einigen die Annahme, dass man ständig Probleme hat und diskriminiert wird, deswegen scheinen sie da übervorsichtig zu reagieren. Wenn ich dann aber locker anfange drauf los zu quatschen, dann verfliegt deren Unsicherheit aber recht schnell.

cephalus

Zitat von: Yoshi am 08.12.2023 10:58
Ich finde es interessant, dass viele Menschen Hemmungen oder vielleicht auch Scham haben, einen rocktragenden Mann auf sein Kleidungsstück anzusprechen. Für viele scheint das Ansprechen einer Art "Tabubruch" gleichzukommen

Damit hat Du vermutlich Recht, auch wenn Du noch vergleichsweise oft auf deinen Rock angesprochen wirst.
Bei mir passiert das extrem selten, bis nie - vielleicht liegt das auch etwas am Alter. Jüngere vermute ich, spricht man eher an.

Gespräche bzgl. meiner ungewöhnlichen Kleidung hatte ich in den vergangenen Jahren so gut wie nie. Selbst gute Freunde akzeptieren sie ohne ein Wort darüber zu verlieren.

Skirtedman

#739
Seit dem 9-€-Ticket bin ich intensiver Bus- und Bahnbenutzer. Nun kam es erstmals, aber interessanterweise in den letzten zwei, drei Wochen gleich zweimal vor, dass ich im Bus im vorderen Bereich auf einem Vierersitz zu sitzen kam, wo man sich gegenübersitzt und da jeweils ein männlicher Jugendlicher (meist breitbeinig, geht ja auch kaum anders in Jeans) entgegen der Fahrtrichtung saß, aber nach ziemlich kurzer Zeit aufstand, um den Platz zu wechseln. Kann sein, dass es jedesmal der selbe Jugendliche war. Vielleicht aber auch zwei verschiedene.

Kann auch sein, dass eventuell weiter hinten jemand zugestiegen war, den er kannte, das weiss ich nicht. Jedenfalls schien es mir, dass in beiden Situationen es den jungen Männern unangenehm war, mit mir in Rock oder Kleid in einer Sitzgruppe zu sitzen. Und sie sich womöglich auch demonstrativ umsetzten.

Das ist das einzige, wo mir einfällt, dass ich potentiell minderwertig behandelt wurde. Daraus formuliere ich aber keineswegs eine wie auch immer geartete Diskriminierung.

Drum musste ich schmunzeln neulich, als eine dahergelaufene Frau, die mich ansprach, immer wieder einfließen liess (neben den Bekundungen, wie gut sie es fände, dass ich Rock/Kleid trüge), dass ich (eigentlich sprach sie von "ihr") ja auch immer und überall diskriminiert würde. Es dauerte eine gute Weile, bis sie beim vermutlich dritten Mal verstand, dass ich nicht "trans"-irgendwas bin.

Es fällt tatsächlich einigen schwer zu glauben, dass ein "normaler" Mann bereitwillig ohne weitere Begleiterscheinungen Rock oder Kleid trägt. Ja, bei einigen mag da die Angst vor Fettnäpfchen bestehen, mit non-binären Personen umgehen zu können. Zwar bin ich nicht non-binär, aber es gibt wohl Menschen, die nichts anderes sich vorstellen können.

Yoshi, in Deinem Erzieher-Umfeld sind die Kolleginnen da ja sicherlich noch mehr sensibilisiert, was Identitätsfragen anbelangt.

Allerdings werde ich ziemlich oft auf meine Kleidung angesprochen und nahezu immer wird eine Begeisterung ausgedrückt. Hemmungen, einen anzusprechen, scheinen längst nicht so weit verbreitet zu sein. Vielleicht hängt das aber auch oft von den Situationen und Umfeldern ab, in denen ich mich bewege. Da sind Hemmschwellen oftmals ohnehin eher etwas kleiner. Wobei ich nicht selten auch en passant auf offener Straße angesprochen werde, also ohne irgendeinen Zusammenhang wie ein Weinfest oder einem Weihnachtsmarkt. Nicht selten scheint das aber auch daran zu liegen, dass ich eben wirklich auf den Straßen auch präsent bin und es oft heisst, sie wollten mich eigentlich schon immer mal ansprechen.
Dass Männer nur Hosen tragen, ist weder körperlich noch seelisch gesund.
Wie tief muss der psychische Knacks im Hirn wohl sitzen, dass Männer sich nicht endlich auch mehr Freiheiten gönnen!?

hirti

#740
Hallo!

Mittlerweile fühle ich mich ja recht wohl im Büro im Rock.
Im Kollegenumfeld scheint es einfach zur Tatsache geworden zu sein dass ich mich eben so kleide und so gibt es auch kaum mehr Reaktionen.

Ich plane meine "Rock-Tage" aber so dass ich nicht unbedingt einen Kundentermin habe. Mit Kunden lebe ich doch lieber meine Freude an der Technik, statt meiner Freude an der Mode aus.
Aber natürlich kommt nicht immer alles so, wie man es sich erwartet: Vorgestern saß ich vormittags in einer Besprechung als eine Nachricht von einer Kollegin aus meiner Abteilung eintrudelte, was denn passieren würde wenn sie krank würde... also heute ... also jetzt dann gleich mal.

Puh... die Kollegin hielt diese Woche eine Schulung.
Die gesamte restliche Abteilung war entweder krank oder bei Kunden oder schon in Urlaub. Also blieb mir nur eins: Kollegin heimschicken => Schulung übernehmen.
Und schon stand ich als Vortragender vor einer Gruppe Kunden im Schulungsraum... in Rock, eleganten Stiefeln und schicker gemusterter Strumpfhose.

Reaktionen gab es keine merklichen, die Schulungsteilnehmer waren offensichtlich mit Know How mehr zu beeindrucken als mit Mode und die Schulung lief wie jede andere. Nur als ich mit der Gruppe zum Mittagessen ging, gab's im Restaurant erstaunte Blicke.

Fazit: Ich werd's weiterhin nicht auf Kundentermine im Rock anlegen, aber wenn's passiert, ist's auch kein Beinbruch. Dass Kollegen und Vorgesetzte gesehen haben dass ich im Rock genauso souverän bin, wie in Hose, schadet aber auch nicht.

 

Lars

Jo .... das Outfit ist cool genug für sowas 8) also alles passend gelaufen, würde ich mal sagen ...

Bahner

Servus, DAS ist ein wirklich taugliches Outfit.Da geh ich auch voll mit. Wirklich beste Wahl!
Viele Grüße Rolf
🚂🚃🚃

Peter55Muc

Super cool wie du das machst, jetzt kannst du noch leichter zu Hause darauf verzichten Rock zu tragen, da du dir genügend andere Gelegenheiten geschaffen hast, Hut ab.

cephalus

Alle Achtung, Hirti!
Deine Outfits sind immer sehr geschmackvoll und stilsicher - die Souveränität hast du mittlerweile auch  :)

Walter

Wie kann Mann so in die Arbeit ohne das die Frau etwas weiß

Silkman

Hallo Hirti,
Erstmal Herzlichen Glückwunsch, dass Du die eine weitere "Feuerprobe" so gut bestanden hast  :)
Wie üblich war Dein Outfit - ohne jemals fast unsichtbar zu sein - seriös genug, um nicht von den Inhalten abzulenken.

Und dass Du Deine kranke Kollegin heimgeschickt und - trotz aller Bedenken - selber übernommen hast, spricht ganz stark für Dich, da hab ich schon vieles anderes erlebt...

Silkman

P.S.:
Was waren eigentlich die Teilnehmer der Schulung (gans grob:)?

aktive Techniker (mit Praxisbezug)
passive Techniker (imManagement)
Nerds (ohne Bezug)

???

fracht
Jürgen

MAS

Zitat von: Silkman am 15.12.2023 23:04
P.S.:
Was waren eigentlich die Teilnehmer der Schulung (gans grob:)?

aktive Techniker (mit Praxisbezug)
passive Techniker (imManagement)
Nerds (ohne Bezug)

???

fracht
Jürgen

Interessante Aufteilung!  ???

LG, Micha
Wer das Leben ernst nimmt, muss auch über sich lachen können.

ACHTUNG! Ich verbiete ausdrücklich, Texte oder Bilder, die ich hier einstelle, ohne meine ausdrückliche Erlaubnis auf andere Seiten zu kopieren!

Uckermärker

Bei uns im TV- Fachgeschäft registrieren es glaube ich auch nicht alle Kunden, dass ich Rock trage. Sie sind oft so gedanklich mit den Produkten beschäftigt, zu denen ich sie berate.

Frauen bemerken es eher/schneller und sie finden es spannend - Blicke verraten da sehr viel - öfter sehe ich ein freundliches Lächeln bei Kundinnen. Sie machen oft plötzlich einen viel wacheren und interessierteren Eindruck.

Und ich habe das Gefühl, dass Frauen sich von mir mehr ernst genommen fühlen - über Frauen und Technik wird ja sonst eher gelächelt. Ich sage ihnen auch oft, dass es nichts mit Inteligenz sondern mit Interesse zu tun hat.

Ansonsten sind jetzt nach 1 1/2 Jahren (fast ausschließlich) Rock-Tragen die meisten daran gewöhnt und somit sind Reaktionen selten geworden.

Gestern fragte mich ein älterer Kunde, ob es mir nicht jetzt langsam zu kalt wird mit meinem Rock. Ich habe ihm erklärt, dass ich Rock trage, weil ich keine Lust habe ich Jeans zu frieren  ;). Den Vergleich hatte ich letzten Winter mal ausprobiert, und damit war das Thema Hosen für mich endgültig abgehakt ...

LG
Jens

Gegen den Strom schwimmen & Anderssein wagen hält lebendig! Nur Mut!