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Was dir die Kollegen nicht über deinen Rock sagen

Begonnen von hirti, 18.10.2023 16:51

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MAS

Was meine Kolleg:innen angeht, so habe ich keinerlei Intoleranz meinen Röcken gegenüber bemerkt, eher von einigen Begeisterung, von anderen Gleichgültigkeit. Was die Studierenden darüber denken, erfahre ich selten, denn auch wer es nicht mag, wird es mir nicht sagen. Ich erfahre von ihnen den normalen Respekt oder auch die normale Respektlosigkeit, den sie anderen Lehrkräften auch zukommen lassen, und ab und zu ein Dankeschön für gute Lehre, gute Betreuung u.dgl. 

Sicher habe auch ich Angst vor dem "Rechtsruck", bei dem sich Leute vielleicht dann trauen zu sagen, was sie sich sonst nicht trauten und bei dem die Polizei gerne wegguckt, wenn nicht angepassten Menschen etwas passiert. Die Propaganda der afd und ihrer Schwesterparteien in anderen Ländern arbeitet ja erfolgreich in diese Richtung.

Und das kann dann auch dazu führen, dass Menschen, die Verantwortung für Geschäfte, Institutionen usw. haben, meinen, diesem Geist gehorchen zu müssen, auch wenn sie ihn nicht gewählt haben.

Aber noch habe ich keine solchen Erfahrungen in meinem Alltag gemacht. Ich will mich auch nicht von Angst davor bestimmen lassen, sondern offen und aufrichtig meinen Weg gehen und Leute, die für sich andere Wege gehen, darin respektieren, solange sie auch respektvoll oder zumindest tolerant mit anderen Menschen umgehen.

Hirti, bei Dir ist es aber doch nur eine Einzelmeinung eines Engstirnlers. Solange er nicht andere damit ansteckt, ist es ja sicher auszuhalten.

LG, Micha
Wer das Leben ernst nimmt, muss auch über sich lachen können.

ACHTUNG! Ich verbiete ausdrücklich, Texte oder Bilder, die ich hier einstelle, ohne meine ausdrückliche Erlaubnis auf andere Seiten zu kopieren!

Kim70

Hallo Hirti,
klar trifft einen so ein Kommentar, weil fast jeder um sich herum gerne die heile Welt hätte, zumindest gefühlt.

Betrachte ich aber mal die andere Seite, kommen da Fragen auf:
Bei so einer Umfrage ist es Ziel strukturelle Schwächen in der Organisation aufzudecken und Führungskräften einen Anhaltspunkt zu geben, ob sie Verbesserungspotiential in der Art ihrer Führung der Mitarbeiter haben.
Es ist weder Ziel Informationen zur gefühlten Außenwirkung der Vorgesetzten von den Mitarbeitern einzuholen noch eine modische Bewertung von Kollegen vorzunehmen.
Ganz nebenbei stelle ich mir die Frage, ob der Kollege es sich auch herausgenommen hätte auf diese Weise Kritik an deiner Kleidung zu üben, wenn Du eine Frau wärst, deren Kleidungsstil ihm nicht gefällt.

Grundsätzlich sollte persönliche Kritik auch persönlich kommuniziert werden, um auch die Möglichkeit zu bieten persönlich darauf zu reagieren.
Für mich hat die Aktion etwas von ,,Verpetzen": Ich mag IHN nicht, und jetzt solle er von höherer Stelle Ärger bekommen, das hat er ganz allgemein in meinen Augen verdient. Das mit Röcken ist das Einzige, was mir einfällt, um es ihm anzuhängen.

Betrachte es mal entspannt von dieser Seite und wahrscheinlich fällt Dir sogar ein Kollege ein, der motiviert ist, so zu handeln.

Skirtedman

#32
Natürlich hört man solch eine Botschaft, hirti, nicht so liebend gerne.

Sollte ich mit meinem Verhalten (hier: Kleidung) wirklich für einen Imageverlust sorgen für meine Firma?
Kann ich da einfach drüberstehen, selbst wenn dies tatsächlich geschäftsschädigend sein sollte?

Leider verstecken sich heute noch immer allzu oft die Männer hinter ihrer Arbeitsrüstung, dem Anzug, weil sie glauben - oder die Vorgesetzten -, dass man nur in solch einem sehr vereinheitlichten Erscheinungsbild als seriös angesehen wird. Das geht ja oft soweit, dass allenfalls bei sehr hohen Temperaturen sich getraut wird, das Jackett abzulegen und vielleicht mal die Hemdsärmel hochzukrempeln. Die Rüstung zählt leider oft mehr als die Fähigkeiten des Menschen, der darin steckt, vielleicht sich darin versteckt. Dass man hinter dieser Fassade nicht allzu selten auch fehlende Fähigkeiten, mangelnde Kompetenz oder gar schlechte Absichten verstecken kann, geht bei dieser Augenwischerei sehr oft vergessen.

Natürlich wirst Du, hirti, als Du bei Deiner Arbeit den Rock etabliert hast, bestimmt Gedanken gemacht haben, wie denn Deine Kollegen, Vorgesetzten und Mitarbeiter reagieren werden. Und vermutlich wirst Du dabei auch bedacht haben, dass Du auch in Beziehung zu Deinem Kunden / Deinen Kunden Dich damit auseinandersetzen wirst.

So neu wird also der an Dich herangetragene Gedanke für Dich nicht sein, welche Wirkung das auch im Kundenkontakt eventuell erzielen wird.

Du schreibst, Du hast die Ergebnisse Deines Teams verbessert. Sollte das nicht Anstoß genug geben, dass Deine Wirkung auf den Kunden / die Kunden, aber auch im Team nicht so schlecht sein kann. Die Gedanken, einen Imageverlust für Deine Firma mit Deinem Auftreten zu erzielen, kannst Du wohl getrost abstellen.

Auch scheint mir, dass Deine Vorgesetzten, die Dir diesen Gedanken mitgeteilt haben, selbst dies so nicht sehen. Natürlich wäre es ein Leichtes für Deine Vorgesetzten, wenn sie in Bezug auf solch eine Befragung, ihre eigene Haltung in Form von angeblichen Meinungsäußerungen formulieren würden, um sich aus dem Dilemma rauszuhalten, dass sie Dir das als ihre eigene Haltung verkaufen müssten.

Also ich glaube nicht, dass Deine Vorgesetzten diese Gedanken selber hegen oder sich diesen anschließen, denn dann - so meine Meinung - hätten sie nicht gesagt, dass einer der Mitarbeiter diese Gedanken geäussert habe, sondern sie hätten generell von "Mitarbeitern" gleich im Plural gesprochen, um dieser Aussage mehr Gewicht zu verleihen.

Darum glaube ich, dass das in der Tat nur eine einzelne geäusserte Einzelmeinung war, die Du mit Blick auf Deine Leistungen gut wegstecken kannst. Und die Du - egal ob Du es weisst oder ahnst, wer dies gesagt haben könnte, oder nicht - in geschickter Kommunikation mit Deinem Team im Laufe der Zeit klären kannst, um derlei Ängste im Team zu zerstreuen.

Und man will oft gar nicht glauben, dass abweichendes Verhalten nicht per se für einen Imageschaden oder mit Kundenzurückhaltung einhergeht, sondern dass es möglicherweise einhergeht mit einem Imagegewinn für Deine Firma und vielleicht auch Vertrauensgewinn bringt. Es kann durchaus von Vorteil sein, schräge Vögel in der Firma zu beschäftigen.

Und wenn die Zahlen nicht aus unerklärlichen Gründen sich im nächsten Zeitraum oder bereits im letzten verschlechtern, dann spricht doch alles dafür, dass derlei Gedanken unbegründet sind.
Dass Männer nur Hosen tragen, ist weder körperlich noch seelisch gesund.
Wie tief muss der psychische Knacks im Hirn wohl sitzen, dass Männer sich nicht endlich auch mehr Freiheiten gönnen!?

Yoshi

Zitat von: Skirtedman am 18.06.2024 10:52
Die Rüstung zählt leider oft mehr als die Fähigkeiten des Menschen, der darin steckt, vielleicht sich darin versteckt. Dass man hinter dieser Fassade nicht allzu selten auch fehlende Fähigkeiten, mangelnde Kompetenz oder gar schlechte Absichten verstecken kann, geht bei dieser Augenwischerei sehr oft vergessen.

Meine verstorbene Tante sagte mal: "Ein Lackaffe im Anzug bleibt immer noch ein Lackaffe!"

Silkman

Lange nicht mehr gehört - und wunderbar kurz auf den Punkt gebracht   :)

JoHa

Welcher direkte Kommentar auch immer, trägt den Impuls zu einer guten Auseinandersetzung in sich.
Gefährlich, weil feige und hinterlistig, ist die üble Nachrede. Der muß man in Wort, Tat und, ja, wenn es sein muß, in juristischer Klage, entgegentreten.

Yoshi

#36
Zitat von: JoHa am 19.06.2024 22:59
Gefährlich, weil feige und hinterlistig, ist die üble Nachrede. Der muß man in Wort, Tat und, ja, wenn es sein muß, in juristischer Klage, entgegentreten.

Hatte ich damals bei meiner vorherigen Einrichtung auch in Erwägung gezogen, aber ich hatte keine Lust auf eine juristische Auseinandersetzung. Durch meine Kündigung und die neue Arbeitsstelle hat es sich ja glücklicherweise zum Guten gewendet.

Ich habe stattdessen vor wenigen Tagen eine Meldung über meinen Fall an die Antidiskriminierungsstelle gesendet. Die Anfeindungen der Eltern und den Umgang der Einrichtung und des Trägers habe ich dabei kurz geschildert. Eine Beratung habe ich nicht eingefordert, sondern es nur zu statistischen Zwecken abgeschickt. Allerdings nicht anonym, sowohl mein Name und die Namen der Einrichtung und des Trägers habe ich angegeben. Mein Arbeitgeber hat das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) mit Füßen getreten, als sie mich nicht unterstützen und das kann die Antidiskriminierungsstelle ruhig mal vermerken.

JoHa

Mich würde ineteressieren, wer " Mein Arbeitgeber" war.


MAS

Ich habe eben feststetellt, dass meine ehem. Grundschule, inzwischen auch eine Kita ist: https://www.kinderhaus-morgenstern.de/startseite/historisches/

LG, Micha
Wer das Leben ernst nimmt, muss auch über sich lachen können.

ACHTUNG! Ich verbiete ausdrücklich, Texte oder Bilder, die ich hier einstelle, ohne meine ausdrückliche Erlaubnis auf andere Seiten zu kopieren!

Yoshi

Zitat von: MAS am 21.06.2024 00:26
Ich habe eben feststetellt, dass meine ehem. Grundschule, inzwischen auch eine Kita ist: https://www.kinderhaus-morgenstern.de/startseite/historisches/

LG, Micha

Und wer genau hinschaut, der sieht auf dem Bild auch Jungen in Kleidern. Das Konzept "Eurythmie" der Waldorfpädagogik haben wir schon mal hier besprochen.

Skirtedman

Was hier in diesem Fall in Form von Kitteln über der Alltagskleidung - also den Pflichthosen - bei den Jungs gelöst ist.
Dass Männer nur Hosen tragen, ist weder körperlich noch seelisch gesund.
Wie tief muss der psychische Knacks im Hirn wohl sitzen, dass Männer sich nicht endlich auch mehr Freiheiten gönnen!?

Peter55Muc

#42
Hallo Hirti, um hier nochmal zu deinem Text zu kommen, ich finde es doch schon mal gut, dass sich scheinbar die große Mehrheit von deinem Team, nicht an deinen Röcken oder Kleidern stört.
Den einen gibt es in jeder Firma und in jedem Team, der mit sich und seinem Leben selbst unzufrieden ist und andere anschwärzt.
Bei uns heißt die Umfrage ,,Stiba" (Stimmungsbarometer)

LG Peter

Timper

Wo ist da anschwärzen? Wieso soll der Kollege mit seinem Leben unzufrieden sein? Woraus leitest du das ab?
Das war ein Stimmungsumfrage im Betrieb und dazu hat der Kollege sich einfach geäußert. Das war gewünscht. Und der Kollege hatte halt Bedenken bezüglich der Firma und den Kunden.
Es ist nicht verwerflich das so zu sehen und auch eine andere Sicht auf die Dinge zu haben. Ich finde das sollte man respektieren!
Das zeigt eigentlich nur das man sich vor Echokammern hüten sollte!
Rock tragen? Ich darf das! Dress to Impress!
Schwarz ist bunt genug! :-)
Bis es was Dunkleres gibt, als Schwarz trage ich Schwarz!

JoHa

Es ist schon ein Unterschied, ob ich leichthin von meiner Meinungsfreiheit Gebrauch mache, oder ob ich jemanden herabsetze.
Es ist ein himmelweiter Unterschied zwischen gutmütiger Frotzelei und hämischen Bemerkungen.
Manchmal sind Aussagen gut gemeint aber schlecht angekommen. Manchmal entschlüpft einem etwas , das man bei kurzem Besinnen gar nicht gesagt hätte.
Leute, seid gnädig!